Sie sind hier:  Sport > Sport bei Vorhofflimmern

Sport bei Vorhofflimmern

Wenig Einschränkung bei körperlicher Tätigkeit
Vorhofflimmern oder „Absolute Arrhythmie“ ist eine Herzrhythmusstörung, bei der der Herzmuskel sehr unregelmäßig schlägt. Die Blutmenge, die pro Schlag aus der linken Herzkammer herausgeworfen wird, ist unterschiedlich groß. Der Patient merkt das daran, daß die Pulswellen am Handgelenk sehr unregelmäßig und unterschiedlich stark mit dem Finger zu spüren sind. Die Pulsfrequenz (oder Herzfrequenzen) schwanken sehr deutlich, so daß die Unterschiede bis zu 30 Schlägen pro Minute ausmachen können.
Das bedeutet für den Körper eine ungleichmäßige Sauerstoffversorgung bei muskulärer Belastung. Diese Schwankungsbreite bleibt aber auch unter körperlicher Belastung erhalten.
Damit kann über das Belastungs-EKG auch keine Trainingsfrequenz berechnet werden, wie es bei Patienten mit einem gleichmäßigen Herzschlag üblich ist.

Tipps für ein optimales Training:


Ergometertraining
Beim Ergometertraining übernimmt man für das häusliche Trainingsprogramm die Wattzahl, die in der Rehabilitationsklinik für Sie errechnet worden ist. Sie müssen bei der Einstellung des Ergometers aber darauf achten, daß Sie eine konstante Wattzahl eingeben. Manche Ergometer verfügen über Programme, wonach die Belastung nach der Pulsfrequenz gesteuert wird.
Diese funktionieren bei Vorhofflimmern nicht!
Achten Sie beim Kauf eines Ergometers auf die Einstellung einer konstanten Wattzahl!

Gehen, Walking oder Laufen
Da die sehr unregelmäßige und schlecht zu fühlende Pulsfrequenz nicht benutzt werden kann, um die Gehgeschwindigkeit festzulegen, muß von den Belastungs-EKG-Daten über das Körpergewicht auf eine optimale Geh- oder Laufgeschwindigkeit umgerechnet werden. Somit erhält man die Gehgeschwindigkeit, die der Trainings-Watt-Belastung entspricht. Dann brauchen Sie beim Gehen oder Laufen nur noch auf die Geschwindigkeit zu achten.

Schwimmen
Eintauchen in das Wasser auftretenden Veränderungen der Herzfrequenz sind beim Vorhofflimmern ohne Bedeutung. Unsere schwimmtelemetrischen Untersuchungen haben ergeben, daß sich die Belastung weder positiv noch negativ auf die Überleitung des Vorhofflimmerns auswirkt. Es sind auch keine zusätzlichen Herzrhythmusstörungen aufgetreten. Allerdings läßt sich die optimale Belastung nicht so eindeutig festlegen, wie beim Gehen oder Laufen. Durch die veränderten physikalischen Verhältnisse kann man vom Belastungs-EKG nicht auf eine Schwimmgeschwindigkeit umrechen. Hier entscheidet die individuelle Schwimm- und Atemtechnik.

Andere Sportarten
Bei allen anderen Sportarten ist die Belastungssteuerung über die Pulsfrequenz nicht möglich. Hier entscheiden individuelle Ausführung der Sportart und körperliche Vorerfahrung. Jedoch gilt auch hier der Grundsatz:


Belasten Sie sich nur soweit, daß Sie sich noch mit Ihrem Partner unterhalten können!

Technische Hilfsmittel
Es gibt speziell für Herzpatienten Pulsuhren. Diese bestehen aus einem Brustgurt für die Elektroden, um den Herzschlag abzunehmen und einer Armbanduhr, auf der die Herzfrequenz drahtlos übertragen und permanent angezeigt wird. Diese Uhren zeigen auch unter Belastung die aktuelle Herzfrequenz störungsfrei an und sind ein ideales Hilfsmittel, die Belastung zu steuern. Allerdings sind diese Pulsuhren bei Vorhofflimmern schlecht zu gebrauchen, da sie ständig wechselnde Herzfrequenzen anzeigen und daher mehr irritieren.

Trainingseffekte
Trotz Vorhofflimmerns sind durch regelmäßiges körperliches Training Effekte auf den Organismus zu verzeichnen. Diese lassen sich aber nicht durch die Senkung der Herzfrequenz dokumentieren. Untersuchungen in unserer Klinik haben gezeigt, daß es zu einer deutlichen Zunahme der maximalen Wattleistung beim Belastungs-EKG und der Ausdauerleistungsfähigkeit beim Ergometertraining kommt.
Patienten, die sich an die Auswirkungen des Vorhofflimmerns gewöhnt haben, erfahren wenig Einschränkung bei ihren körperlichen Betätigungen.

Uwe Schwan, Dipl. Sportlehrer, Bad Schönborn (Juni 2005)