Ergebnisse der Fragebogenaktion vom Februar 2002 "Lebensqualität, sportliche Aktivität und Entwicklung der Leistungsfähigkeit nach Herzklappenersatz"

Mehr als 1000 Fragebögen wurden uns zugesandt
Etwa 1000 Fragebögen konnten jedoch nur ausgewertet werden, davon 266 mit kompletten Arztberichten und medizinischen Unterlagen. Im folgenden möchte ich Ihnen die Ergebnisse kurz in zwei Teilen darstellen, einmal die freizeitsportlichen Aktivitäten und dann die Entwicklung der Leistungsfähigkeit mit den medizinisch, kardiologischen Daten.

Dies ist die erste Studie, die sich mit den Langzeiteffekten nach Herzklappenersatz beschäftigt.

Freizeitsportliche Aktivität
Das durchschnittliche Alter unserer Fragebogenteilnehmer betrug 57 Jahre.

  • 76 % erhielten einen Aortenklappenersatz,
  • 16 % einen Mitralklappenersatz,
  • 5 % einen Doppelklappenersatz,
  • 3% einen Trikuspidalklappenersatz oder eine Klappenrekonstruktion
  • bei 42 % lag die Operation bis zu 5 Jahre,
  • bei 37 % 5 bis 10 Jahre
  • und bei 21 % über 10 Jahre zurück
  • bei 21 % erfolgte eine Reoperation bzw. ein neuer Klappenersatz
  • 84 % der Herzklappenpatienten erhielten eine Anschlussheilbehandlung und
  • 56 % bekamen von der AHB-Klinik eine differenzierte Trainingsempfehlung für ein Heimtrainingsprogramm oder die ambulante Herzgruppe
  • 75 % waren einmal in einer AHB,
  • 15 % waren zweimal,
  • die restlichen mehr als zweimal mal in einer AHB

Wenig Information über zukünftige Belastung

  • Nur 15 % der Patienten gaben an, über die zukünftige körperliche Belastung zu Hause ausreichend aufgeklärt worden zu sein. Die durchschnittliche Trainingsbelastung lag bei 75 Watt. 23 % der Patienten erfuhren schon während der AHB eine deutliche Leistungssteigerung. Bei 59 % wurde die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe (AHB) empfohlen, von denen noch über die Hälfte diese Gruppe weiter besuchen.
  • 80 % aller befragten Patienten waren in ihrer Freizeit körperlich oder sportlich aktiv.

Die bevorzugten Sportarten waren:

  • Fahrradfahren bzw. Ergometertraining ( 55 %),
  • Wandern, Walking (48 %),
  • Schwimmen (32 %),
  • Gymnastik (15 %),
  • Skialpin/Skiwandern (6 %)
  • Fitnessstudio (5 %).

Über 85 % der freizeitsportliche aktiven Patienten trainieren mehr als 3 mal pro Woche. Die durchschnittliche Trainingsdauer beträgt 0,5 bis 2 Stunden.

  • 71 % der befragten Herzklappenpatienten nahmen ihre gewohnten Urlaubsaktivitäten wieder auf,
  • 16 % veränderten ihren Aktivurlaub auf Grund der Herzklappenerkrankung,
  • 13 % gaben ihre gewohnten Urlaubsaktivitäten auf. Hinsichtlich der Altersgruppen gibt es keine Unterschiede. Ältere Herzklappenpatienten sind genauso häufig aktiv wie die jüngeren.
  • 75 % der Patienten, die in einer ambulanten Herzgruppe waren, gaben an, nicht vorsichtiger behandelt worden zu sein, wie die Patienten nach Herzinfarkt, Ballondilatation und/oder Bypassoperation.

Körperliche Leistungsfähigkeit bei Herzklappen-Patienten
Über die Entwicklung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Herzklappenpatienten liegen bisher sehr wenige Untersuchungen vor. Dieses ist auch wegen der sehr unterschiedlichen Verläufe der Herzklappenfehler kaum möglich. Dennoch haben wir versucht, eine Verlaufsbeobachtung über 7 Jahre zu erstellen und konnten 266 Patienten in diese Untersuchung einbeziehen. Diese 266 Patienten waren im Durchschnitt 64 Jahre alt, Von diesen Patienten erhielten:

  • 69 einen Aortenklappenersatz,
  • 22 % einen Mitralklappenersatz,
  • 9 % einen Doppelklappenersatz.

Bewegungstherapie nach der Operation
19% dieser Patientengruppe gab an, nach der Operation keine empfohlene Bewegungstherapie durchzuführen. 47 % waren 1-2 mal pro Woche aktiv, 34 % mehr als 2 mal pro Woche. Lediglich 34 % besuchten eine ambulante Herzgruppe.

Steigerung der Watt-Leistung
Innerhalb von 7 Jahren steigerte sich die Leistungsfähigkeit bei den:

  • Aortenklappen-Patienten von 1,52 auf 2,05 Watt pro Kilogramm Körpergewicht und bei den
  • Mitralklappen-Patienten von 1,41 auf 1,95 Watt pro Kilogramm Körpergewicht.

Deutlich positive Trainingseffekte
Betrachtet man jetzt die internationale Literatur hinsichtlich der Trainingseffekte bei älteren Menschen, kann man resümieren, dass die Herzklappenpatienten die gleiche Leistungssteigerung erfahren können, wie gleichaltrige herzgesunde Personen.
Die Leistungsfähigkeit von 2 Watt pro Kilogramm Körpergewicht für 65-jährige entspricht dem Durchschnitt der Leistungsfähigkeit von Nichtherzkranken in Deutschland.

  • Die Leistungsfähigkeit der "Nicht-aktiven" fiel aber ab dem 4. Jahr nach der Operation kontinuierlich ab.
  • Die körperlich Aktiven erreichten dabei eine Leistungsfähigkeit von 2,34 Watt pro Kilogramm Körpergewicht. Hinsichtlich des prozentualen Leistungszuwaches gab es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede.

Steigerung der Pumpfunktion des Herzens
Die linksventrikuläre Pumpfunktion (EF) nahm bei allen Patienten um durchschnittlich 7 % zu.
Ab dem 4. Jahr sind die Unterschiede zwischen körperlich aktiven und den "Nicht-Aktiven" sehr deutlich.

Sport ist für aktive Herzklappen-Patienten positiv!
Betrachtet man alle medizinischen Faktoren und Messparameter, können wir sagen, dass die körperlich aktiven Herzklappenpatienten ab dem 3. Jahr deutlich vom Training profitieren und die gleiche altersentsprechende Leistungsfähigkeit erreichen können, wie Personen ohne Herzerkrankung.

Danksagung
Ein besonderer Dank gilt den Studenten Stefanie Böse und Matthias Pradel von der Universität Bielefeld, die alle Fragebögen gelesen, ausgewertet und in teilweise mühevoller Arbeit alle Ergebnisse erstellt haben. Sie erledigten die Hauptarbeit dieser Untersuchung.
Weiterhin möchte ich mich bei den Mitarbeitern Dr. Hans Danner und Dr. Christian Vobejda vom sportmedizinischen Institut der Universität Bielefeld für die wissenschaftliche und statistische Begleitung und bei Herrn Christian Schaefer für die logistische Unterstützung bedanken.

Verfasser: Dipl.-Sportlehrer Uwe Schwan