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Die Frage: Kann eine Kernspintomographie beim Herzklappen-Patienten durchgeführt werden?

Kann bei mir als Patientin mit einer implantierten Duromedics® Aortenklappe (10/91 im Herzzentrum Erlangen) eine MR-Untersuchung durchgeführt werden (fragliche Magnetempfindlichkeit) oder muss ich mich auf eine Computertomographie beschränken?
Es wurde jetzt eine Herzklappeninsuffizienz (mittleren Schweregrades) gesehen, bedingt durch ein paravalvuläres Leck. Vom Herzen werde es öfter kompensiert, so dass ich nach wie vor ohne Luftnot bin.
Die INR-Bestimmung führe ich mit dem CoaguChek® seit März 1997 durch, wobei nur gelegentliche Abweichungen vom therapeutischen Wert INR 2,5 bis 3,0 auftreten, die ich sofort mit Dosisanpassung korrigiere.
Weder durch das bestehende leck noch durch die Einnahme des Gerinnungshemmers habe ich eine Einschränkung meiner Lebensqualität.
Anfang August musste ich für eine Koloskopie Marcumar® absetzen und Clexane® 60 zweimal spritzen. Einige Tage später trat starker Schwindel mit Übelkeit auf (keine anderweitigen Ausfallerscheinungen). Da seither mein Schwächezustand mit leichtem Schwindel anhält, soll der Verdacht auf eine Hirnstammischämie mit einer MRT-Untersuchung abgeklärt werden. Diese wurde nicht getätigt, da hinzu gezogene Fachleute (Kardiologe, Neurologe und Radiologe) die Frage nach der Magnetempfindlichkeit nicht beantworten konnten. (A.M., U.)

Unsere Antwort:

Die Kernspintomographie hat heute bei einer Reihe von kardiologischen Fragestellungen in der bildgebenden nicht-invasiven (=nicht in den Körper eindringend) Diagnostik ihren Platz gefunden. In diesem Fall sollte jedoch von einer MRT-Untersuchung abgeraten werden. Diese Herzklappe (Duromedics®) hat sich bisher nicht einer MRT-Tauglichkeit gestellt und birgt wegen des paravalvulären Lecks (mittleren Schweregrades) ein zusätzliches Risiko in sich.
Auch Metallteile, die z. B. während des Krieges in den Körper eingedrungen sind, oder um Metallteile, die mittels einer Operation in den Körper gelangt sind (z. B. Schrittmacher, künstliche Gelenke), schließen eine derartige Untersuchung aus.

Das Risiko ist das Magnetfeld
Das Risiko einer MRT-Untersuchung wird zum einen durch Wirkungen des statischen Magnetfeldes und zum anderen durch Wirkungen schnell wechselnder Magnetfelder und der Hochfrequenzeinstrahlung bedingt.
Die Gefahr im statischen Magnetfeld besteht darin, dass die Implantate ihre Lage aufgrund von Verschiebungen verändern und dann z. B. Nervenstrukturen oder Blutgefässe verletzen können.
Entscheidend hierfür ist die Zusammensetzung der verwendeten Legierungen des Implantats.
Kontroverse Ansichten seitens der Ärzte bestehen darin, inwieweit die Hochfrequenzeinstrahlung und die schnell wechselnden Magnetfelder bei Metallimplantaten zu Gebieten im Körper mit erhöhter Temperatur führt.

Entscheidend ist die Leitfähigkeit des Metalls

Zudem können Metallteile (z. B. Schrittmacher) im Gewebe als zusätzliche Antenne wirken und koppeln an die Hochfrequenzsendespule im Kernspintomographen an.
Im Fremdkörper - also dem Implantat - werden dann Wirbelströme hervorgerufen«, die zu einer Wärmeentwicklung führen könnten. Entscheidend hierfür ist die Leitfähigkeit des Metalls. Die freiwerdende Wärme wird auf das angrenzende Gewebe übertragen, d. h. dass es im schlimmsten Fall zu einer Verbrennung des Gewebes im Bereich des Implantats kommen kann.

Verunsicherung bei Ärzten und Patienten
Die oben genannte theoretische Gefährdung von Patienten mit Implantaten bei der MRT-Untersuchung führte nicht selten zur Verunsicherung der untersuchenden Ärzte und der Patienten, so dass es letztendlich nicht zu einer kernspintomographischen Untersuchung kam.

Keine negativen Einflüsse auf künstliche Herzklappen
Ähnliches gilt bei Patienten nach einer Herzklappenoperation mit metallhaltiger Kunstklappe und metallischen Brustbeindrähten. Anhand umfangreicher Experimente hat man festgestellt, dass keine negativen Einflüsse auf den Patienten durch Erwärmung der Herzklappenprothese oder durch magnetische Kräfte zu befürchten sind.
Mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen über die Wirkung des Magnetfeldes und der Hochfrequenzradiowelle auf unterschiedlichste künstliche Herzklappen (siehe unten) sagten aus, dass diese genannten künstlichen Herzklappen unproblematisch und sicher sind für die zu untersuchenden Herzklappen-Patienten.
Inzwischen wurden weltweit sehr viele Patienten mit »MRT-tauglichen« künstlichen Herzklappen mittels Kernspintomographie untersucht. Über ernsthafte Komplikationen wurde bisher nichts berichtet.

Was jedoch zu beachten ist!

Als wichtigste Richtlinie gilt: Der Arzt, der seine Patienten zur Kernspintomographie schickt, sowie der untersuchende MRT-Arzt müssen sicherstellen, dass die implantierte künstliche Herzklappe festsitzt, bevor eine MRT-Untersuchung vorgenommen wird.
Die Ablenkkraft an der künstlichen Herzklappe durch das entstehende Magnetfeld ist zwar sehr gering im Vergleich zu den Kräften, die durch Herzmuskelkontraktionen erzeugt werden; dennoch kann die geringe Zugkraft durch das Magnetfeld ausreichend sein, um der Kunstklappe den letzten „Stoß“ zu geben, falls die Klappe z. B. nur auf einem Faden hängen würde. Diese Annahme ist jedoch nur theoretisch.

Zur Abklärung eine Echokardiographie durchführen lassen
Vor der kernspintomographischen Diagnostik sollte man unbedingt eine echokardiographische Untersuchung durchführen lassen. Denn grundsätzlich sollte die Funktionsfähigkeit einer mechanischen Herzklappe durch eine echokardiographische Untersuchung ausgeschlossen werden. Mit dieser Methode ist eine Funktionsfähigkeit sicher und sehr schnell diagnostizierbar. Aber noch viel wichtiger ist: Jede Undichtigkeit bzw. auch eine zum Teil herausgerissene Kunstklappe kann mit dieser Methode einfach und schnell diagnostiziert werden.

Was noch zu beachten ist!

Achtung bei Herzklappen, die älter als Baujahr 1969 sind.
Bei Patienten mit bisher nicht auf »MRT-Tauglichkeit« untersuchten künstlichen Herzklappen (Baujahr älter als 1969) sollte von einer Kernspinuntersuchung Abstand genommen werden.
Zurückhaltung bei MRT-Untersuchungen ist bei frisch operierten Patienten geboten, deren Blutgefässe ohne Verwendung von Titan-/Tantallegierungen geclipt wurden.
Außerdem sollten alle Patienten mit unbekannten in den Körper eingedrungenen Metallfremdkörpern in der Nähe kritischer Körperstellen sicherheitshalber nicht kernspintomographisch untersucht werden.
Patienten mit einem Herzschrittmacher sind grundsätzlich nicht MRT-tauglich. Diesen Patienten muss man alternativ ein Spiral-CT anbieten. Damit haben wir ähnlich gute Aussagefähigkeit. Der einzige Nachteil ist,
dass diese Methode mit einer gewissen Strahlenbelastung einhergeht.

Nachfolgend aufgeführte künstliche Herzklappen sind MRT-tauglich:

Beall; Coratomic Indiana, Pa. /USA
Bjork-Shiley (convex/concave) Shiley, Irvine, Calif./USA
Bjork-Shiley (universal/spherical)
Bjork-Shiley model MBC
Bjork-Shiley model 25 MBRC 11030
Carbomedics model R500 Carbomedics, Austin Texas/USA
Carbomedics model Standard 500
Carbomedics model Standard 700
Carpentier-Edwards model 2650 American Edwards Laboratories, Santa Ana, Calif./USA
Carpentier-Edwards (porcine)
Hall-Kaster model A7700 Medtronic, Minneapolis/USA
Hancock I (porcine) Johnson & Johnson Anaheim, Calif./USA
Hancock II (porcine)
Hancock extracorporal model 242 R
Hancock Vascor model 505
Hancock extracorporal model M4365-33
Ionescu-Shiley universal ISM
Lillehi-Kaster model 300S Medical, Inver Grove, Heights, Minn./USA
Lillehi-Kaster model 5009
Medtronic Hall Medtronic
Medtronic Hall model A 7700-D-16
Omnicarbon model 3523T029 Medical
Omniscience model 6522
Smeloff-Cutter Cutter Laboratories, Berkely, Calif. /USA
Starr-Edwards model 1260 American Edwards Laboratories, Santa Ana, Calif./USA
Starr-Edwards model 2320
Starr-Edwards model 2400
Starr-Edwards model Pre 6000
Starr-Edwards model 6520
St. Jude Medical, St. Paul, Minn./USA
St. Jude model A 101 + M 101

PD Dr. med. G. Notohamiprodjo, PD Dr. med. Heinrich Körtke, Herzzentrum NRW, Georgstr. 11, 32545 Bad Oeynhausen
(12/2006)