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Sport nach Herzklappenersatz - So sieht es der Kardiologe

Die körperliche Aktivität nach mechanischem Klappenersatz ist abhängig vom Schweregrad der Herzklappenerkrankung.
Herzklappenoperationen werden u. a. durchgeführt aufgrund:

  • einer Aortenklappenstenose;
  • einer Aortenklappeninsuffizienz;
  • eines kombinierten Aortenklappenvitiums (hier besteht ein gewisser Anteil an einer Stenose [Verengung der Aortenklappe] und einer Insuffizienz [Schlussunfähigkeit der Aortenklappe]);
  • einer Mitralklappenstenose;
  • einer Mitralklappeninsuffizienz.

Die Aortenklappenstenose
Bei einer Aortenklappenstenose ist der Herzmuskel druckbelastet und reagiert mit einer ausgeprägten Verdickung des gesamten Herzmuskels. Nach mechanischem Herzklappenersatz und regelrechter Behandlung eines möglichen Bluthochdruckes ist der Ventrikel (Herzkammer) in der Lage, sich innerhalb von sechs bis 12 Monaten nach der Operation zu normalisieren. Ein regelmässiges sportliches Ausdauertraining ist sicherlich möglich und hilfreich.

Die Aortenklappeninsuffizienz
Bei einer Aortenklappeninsuffizienz ist der Ventrikel (Herzkammer) ausschliesslich volumenbelastet. Diese Volumenbelastung führt in erster Linie zu einer Grössenzunahme der linken Herzkammer. Patienten mit dieser Erkrankung und nach erfolgtem Herzklappenersatz sind etwas anders körperlich zu aktivieren. Hier muss dem Ventrikel Zeit gegeben werden, sich von seiner Grösse her zu normalisieren, d. h. die Herzkammer muss langsam wieder schrumpfen, um zu normalen Grössenverhältnissen zu gelangen.
Während dieser Zeit ist es oftmals notwendig, das linke Herz durch eine zusätzliche Medikation (mit sog. ACE-Hemmern) zu entlasten. Das Herz kann dann mit weniger Kraftaufwand zur normalen Grösse hin schrumpfen.
Wichtig zu wissen ist es, dass grössere körperliche Anstrengungen — insbesondere isometrische Kraftanstrengungen — zu vermeiden sind. Diese Aktivitäten stehen dem Normalisierungsprozess eher im Wege.

Das kombinierte Aortenvitium
Bei einem kombinierten Aortenvitium ist die linke Herzkammer nicht nur druck- sondern auch volumenbelastet. Diese Doppelbelastung führt häufig zu einer immensen Schädigung des Herzmuskels der linken Herzkammer. Gerade diese Herzen benötigen sechs bis 12 Monate und länger bis hin zur Normalisierung. Diese Patienten sind hinsichtlich der körperlichen Aktivität besonders sorgsam durch Kardiologen in Verbindung mit geschulten Sportwissenschaftlern zu betreuen.

Erkrankte Mitralklappen
Patienten mit Mitralklappenstenose sind entsprechend körperlich belastbar. Patienten mit einer zusätzlich aufgetretenen Mitralklappeninsuffizienz leiden häufig an einer Erweiterung der linken Herzkammer.
Auch hier gilt, dass diese Patienten nur sehr moderat belastet werden dürfen, zumindest in den ersten sechs bis 12 Monaten, um der linken Herzkammer Gelegenheit zu geben, sich auf eine normale Grösse zurückzubilden.
- Wichtig ist, dass die Herzklappenoperation zu einem Zeitpunkt erfolgt, in dem der normale Herzmuskel nur eine geringgradige Schädigung aufweist. In diesem Fall trifft das oben Gesagte zu. 

PD Dr. med. Heinrich Körkte, Herzzentrum NRW, Bad Oeynhausen

(Juli 2004)