Sport nach Aortenklappenersatz

Es geht hier um die Frage, welche Unterschiede bei der Planung der Bewegungstherapie zwischen Aortenklappen- und Mitralklappenersatz bestehen.
Grundsätzlich muss man sagen, dass die Vorgehensweise bei der Planung der Bewegungstherapie keine Unterschiede aufweist.

Die Intensität der Belastung (angegeben durch die Wattzahl auf dem Ergometer) richtet sich nach:

  • der Vorschädigung des Herzens zum Zeitpunkt der Operation;
  • dem Operationsergebnis;
  • dem Pumpverhalten und den Druckwerten im kleinen Kreislauf;
  • eventuell belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen.

Diese vier Punkte bestimmen die Planung des Bewegungstherapieprogramms. Die Unterschiede zwischen Aortenklappenersatz und Mitralklappenersatz bestehen darin, wie lange es dauert, bis die kardiologischen Daten nach der Operation wieder in dem vom Hausarzt und/oder Kardiologen gewünschten Normbereich liegen. Zwei Beispiele sollen dieses erläutern:

Der Aortenklappenersatz
Beim Aortenklappenfehler aufgrund einer Aortenstenose (die Aortenklappe öffnet sich nicht vollständig) kommt es zu einer allmählichen Verdickung des gesamten Herzmuskels. Dieser verdickte Herzmuskel resultiert aus der ständig erhöhten Pumpkraft, mit der der Herzmuskel immer die gleiche Menge Blut durch die verkleinerte Aortenklappenöffnung durchpumpen muss. Dieses bedeutet für den Herzmuskel 24 Stunden Krafttraining am Tag.
Nach dem erfolgten Aortenklappenersatz spürt der Herzmuskel, dass er mit nicht mehr so viel Kraft das Blut in die Aorta pumpen muss und die Folge ist, dass die Muskelschicht der verdickten linken Herzkammer sich langsam zurückbildet.
Die Dauer dieses Rückbildungsprozesses ist jedoch nicht vorhersagbar. In der internationalen Fachliteratur werden Zeiträume zwischen sechs Wochen und sechs Monaten angegeben.
In der Phase des Rückbildungsprozesses sollten körperliche Belastungen, die mit hohen Blutdruckspitzen einhergehen, vermieden werden.

Dazu gehören:

  • Krafttraining an Kraftmaschinen, Rudern oder Kanufahren in sehr bewegten Gewässern, Radfahren in bergigem Gelände, Bergwandern mit grossen Höhenunterschieden (mehr als 300 m pro Stunde), Tennis, Squash, Badminton mit Wettkampfcharakter oder auch Segelsurfen bei hohen Windstärken.

Ideale Sportarten sind:

  • Gehen, Wandern und Laufen in der Ebene mit der auf das Körpergewicht und die Trainingswattzahl bezogenen Gehgeschwindigkeit, Schwimmen mit mässigem Tempo, Radwandern in der Ebene oder Ergometertraining auf einem Heimtrainer mit der errechneten Trainingswattzahl.

Wenn man sich bei dem häuslichen Sportprogramm nach der vom Arzt und Sportlehrer berechneten Pulsfrequenz richtet, befindet man sich auf dem richtigen Weg.
Die optimale Trainingsbelastung liegt bei 50 % der maximalen Leistungsfähigkeit errechnet nach dem Belastungs-EKG und/oder dem Einschwemmkatheter. 

Uwe Schwan, Dipl. Sportlehrer, Sankt Rochus Klnik, Bad Schönborn

(Juli 2004)