Sport nach Mitralklappenersatz

Beim durch eine Mitralstenose hervorgerufenen Mitralklappenfehler kommt es zu einer allmählichen Vergrösserung und Verdickungen des linken Vorhofes, weil dieser ebenfalls mit erhöhter Kraft das Blut durch die verengte Mitralklappe in die linke Kammer pumpen muss.
Da der linke Vorhof aber von der Muskulatur her schwächer ist, kann dieser die dauerhaft erhöhte Kraftanstrengung nicht bewältigen. Der linke Vorhof droht zu erschlaffen, und das Blut staut sich bis in die Lunge zurück.

Als Begleiterscheinung stellt sich dann häufig das Vorhofflimmern (absolute Arrhythmie) ein. Die körperliche Leistung wird durch starke Luftnot eingeschränkt.
Nach dem Mitralklappenersatz kommt es darauf an, ob sich der »erschlaffte« Vorhof wieder zurückbildet und ob sich die Verhältnisse in der Lunge wieder normalisieren.
Diese Rückbildungsprozesse dauern sowohl bei der Mitralstenose als auch bei der Mitralinsuffizienz wesentlich länger als beim Aortenklappenersatz. Der Rückbildungsprozess kann bis zu drei Jahren andauern.

Beim Mitralklappenersatz gestaltet sich ein Bewegungstherapieprogramm wesentlich schwieriger, da bei bestehendem Vorhofflimmern eine Belastungssteuerung über die Pulsfrequenz nicht möglich ist.
Es versagen auch die von der Medizintechnik entwickelten Herzfrequenzmesser, die im Breitensport oder ambulanten Herzsport Anwendung finden.
Auch hier gilt es, Belastungen mit dauerhaft erhöhten Blutdruckspitzen zu vermeiden.

Ideale Trainingsprogramme sind:

  • Gehen, Wandern in der Ebene, Ergometertraining mit der errechneten Trainingswattzahl.

Eine Erweiterung des Trainingsprogramms sollte in enger Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, dem Kardiologen und dem Sportlehrer in einer Herzsportgruppe erfolgen.
Die optimale Belastung für ein Trainingsprogramm liegt zwischen 40 % und 50 % der maximalen Leistungsfähigkeit. Eine kontinuierliche Steigerung wird erst nach Monaten möglich sein.
Diese beiden Beispiele zeigen, von welchen Faktoren die Planung und die Durchführung eines Bewegungstherapieprogramms abhängen. Letztendlich entscheiden immer die individuellen Gegebenheiten über die Wahl des Trainings.

Uwe Schwan, Dipl. Sportlehrer, Sankt Rochus Klinik, Bad Schönborn

(Juli 2004)