Sexuelle Aktivität nach Herzklappenersatz

Bei Frauen und Männern nach Herzklappenersatz mit Kunststoffprothesen gibt es im Vergleich zu der Zeit vor der Operation eine neue »Begleitmusik«, die ggf. schon bei völliger körperlicher Ruhe wahrzunehmen ist: das Klicken der Klappe. In der Regel klickt sie leise und hell. Bei steigendem Blutdruck und damit einhergehendem kräftigeren Schlagen wird es lauter. Dies ist ganz normal bei den verwendeten Materialien, und die/der Betroffene bzw. der/die Partner/in brauchen dabei keine Sorge zu haben.

Wenn das »Klicken« ein Erfolgserlebnis signalisiert
Neu dürfte allerdings sein, dass damit aber auch der »Zustand« der Operierten schneller von der/einer anderen hinhörenden Person erkannt wird: bei Aufregung und Ärger genauso wie bei Freude und Erregung. Dies mag ein gewisser Nachteil für die/den Betroffene/n sein, wenn sie/er ihre/seine Gefühle nicht offenlegen will: Andererseits könnte es aber durchaus auch für Freude sorgen, wenn z. B. die Reaktion auf zärtliches Erleben zusätzlich hörbar bzw. eine Bestätigung oder ein Erfolgserlebnis signalisiert wird. Wie immer hängt das von der Situation und dem gegenseitigen Umgang miteinander ab.

Ein schnellerer Puls unter Belastung ist normal
Auf keinen Fall muss jemand um sich oder seine/n Partner/in fürchten, die/der »normal« belastbar ist im Alltag, wenn sie/er bei sexueller Erregung und Aktivität mehr und tiefer atmet, der Puls schneller geht bzw. kräftiger schlägt. Das gehört - wie wir alle wissen - zu unserer Art zu reagieren. Es mag aber durchaus verständlich sein, wenn nach vorausgegangenem schlechten Gesundheitszustand - als dieselben Reaktionen auf eine Verschlechterung oder eine besondere Belastung hinweisen konnten - es in der Zeit nach der Operation schwerfällt, dies als wieder normal zu begreifen.
Lediglich für die frühe Zeit nach der Operation sei noch erwähnt, dass das eröffnete Brustbein einige Wochen zum knöchernen Durchbau braucht und somit nicht gleich jede Stellung möglich ist. Auf der anderen Seite dürfte es einem Paar nicht ganz schwerfallen, wenn beide ihr Sexualleben pflegen wollen, bei belastenden Praktiken (z. B. bei verbliebener Herzschwäche) nach einem gegenseitigen Erklären dafür zu sorgen, dass die/der »Schwächere« die/der Passivere sein darf oder eine andere Lage oder Stellung braucht, um ohne Risiko die gemeinsame Lust besser und schöner erleben und geniessen zu können.

Selbstverständlich ist nur das »verboten«, was einem Partner missfällt oder in bedrohliche Situationen bringt.
 

Dr. med. Artur Bernardo, Klinik Gais, Gais, Schweiz (Jan. 2004)