„Es blutet - wann zum Arzt?“

Grundsätzlich ist bei Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten (VKA) einnehmen, das Blutungsrisiko erhöht. Dies gilt auch, wenn der Patient gut im therapeutischen Bereich eingestellt ist. Dies bedeutet, dass z.B. bei einer Verletzung oder einer Erkrankung der Patient unter VKA immer relativ mehr bluten wird als wenn keine Gerinnungshemmer eingenommen würden. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis zwischen Verhinderung einer Thrombose und der Gefahr der Blutung ist am günstigsten bei einem INR von 2,0  bis ca. 3,5 (ggf. Graphik siehe unten in deutsch umwandeln).

Grundsätzlich sollten Blutungen aus inneren Organen (Magen-Darm-Trakt, Blase, Vagina) immer als Warnsignal betrachtet und abgeklärt werden, während die Bindehautblutung und blaue Flecken an den Armen meist harmlos sind wie auch die meisten Fälle von Nasenbluten.

Blutungstypen

Nasenbluten:

Ungefährlich ist es, wenn beim Naseputzen häufiger eine Spur Blut zu sehen ist, dies ist nicht behandlungsbedürftig

Falls es aber häufiger stark blutet oder die Blutungen aus der Nase spontan beginnen, sollte der Hausarzt kontaktiert und ggf. auch eine Untersuchung in der HNO ausgemacht werden. Auch der Blutdruck sollte dann kontrolliert werden.

Was tun: Papiertaschentuch in die Nase und feste von außen drücken (mind. 5 Min.), warten, bis das Papier von selbst aus der Nase fällt. Regelmäßiges Feuchthalten der Nasenschleimhaut (Bepanthen Nasensalbe oder Coldastopp Nasenöl).

Gegebenenfalls blutstillende lokale Mittel wie Cyklokapron, Clauden Watte oder Stryphnasal. 

Blut im Stuhl

Falls gehäuft Blutauflagerungen im Stuhl zu sehen sind oder der Stuhl auffallend schwarz ist, bitte Termin für Darmspiegelung anstreben. Es kann ein harmloses Hämorrhoiden-Leiden dahinter stecken, aber auch Darmkrebs kann sich so äußern. Daher ist eine Abklärung erforderlich.

Blut im Urin

Jede Blasenblutung bitte beim Urologen vorstellen zum Ausschluss einer schwerwiegenden Harnwegserkrankung

Vaginale Blutung außerhalb der Menstruation oder nach den Wechseljahren

vor den Wechseljahren kann eine Blutung außerhalb der Menstruation auf eine hormonelle Störung (sog. Östrogendominanz) hinweisen. Trotzdem sollte dies beim Frauenarzt besprochen werden und eine Untersuchung erfolgen.

Gleiches gilt für Blutungen, die nach den Wechseljahren plötzlich wieder auftreten

Bluterbrechen

Bluterbrechen oder Erbrechen einer „Kaffesatz-artigen“ Konsistenz weist fast immer auf ein blutendes Magengeschwür oder eine schwere blutige Magenschleimhaut- bzw. Speiseröhrenentzündung hin. Eine sofortige Magenspiegelung ist in der Regel notwendig

Blaue Flecken, die meist auf den Unterarm beschränkt sind

viele ältere Menschen leider insbesondere an den Unterarmen zur Bildung von dunklen Einblutungen (sog. Sugillationen). Diese sind zwar auffällig und unschön, sind aber in der Regel nicht behandlungsbedürftig. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und Patienten, welche Kortison anwenden (als Salbe, Spray, Tablette oder in Spritzenform) neigen ebenfalls zu diesen charakteristischen Einblutungen am Unterarm

Auch wenn die Einblutung in die Bindehaut hochdramatisch und gefährlich aussieht, gehört sie doch zu den harmlosen Blutungsereignissen. Es reicht bereits, wenn sich ein kleiner Blutstrophen z.B. durch Jucken am Auge bildet und sich zwischen Bindehaut und Lederhaus ausbreitet. Die Färbekraft eines einzigen Blutstropfens am Auge ist bereits enorm. Patienten, die VKA einnehmen, habe etwas häufiger diese Blutungen, sie sind aber nicht behandlungsbedürftig. Leider ist es recht langwierig, bis das Blut verschwunden ist (4 -6 Wochen).

Häufiges Zahnfleischbluten

das Zahnfleischbluten beim Putzen oder beim Essen harter Speisen hat seine Ursache nicht in der Einnahme des VKA, sondern in einer Erkrankung des Zahnfleisches (z.B. Parodontitis). Daher ist insbesondere unter Einnahme gerinnungshemmender Mittel akribisch auf eine sehr gute Zahnpflege zu achten (Zahnseide, Munddusche). Zudem sollte 2 - 3 x jährlich eine professionelle Zahnreinigung vorgenommen werden. Je weniger Beläge, desto geringer die Wahrscheinlichkeit von Zahnfleischentzündungen und -blutungen.

Dr. med. Hannelore Rott, Fachärztin für Transfusionsmedizin; Gerinnungszentrum Rhein-Ruhr, Königstr. 13, D-47051 Duisburg (Dez. 2012)