Gerinungshemmung und Patientenmitarbeit gehören zusammen. 

ACE (AnticoagulationEurope) und AFA (Atrial Fibrillation Association) führten im letzten Jahr in England telefonische Interviews bei 104 Patienten durch, die an Vorhofflimmern litten. Die Ergebnisse, auch wenn es nur eine kleine Stichprobe ist, zeigen die ganze Problematik der Behandlung an Vorhofflimmern erkrankten Patienten. 54% der Patienten gingen zum Arzt, weil sie einen unregelmäßigen Herzschlag spürten und bei 30 % wurden aufgrund einer anderen Behandlung festgestellt, dass  Vorhofflimmern bestand. Bei 72 % der Patienten begann die Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten sofort; bei 20 % jedoch erst innerhalb eines längeren Zeitraums (bis zu einem Jahr). 75 % der befragten Patienten wurden mündlich über die Behandlung aufgeklärt, wobei nur 36 % darüber Auskunft geben konnten, dass Gerinnungshemmung Schlaganfälle verhindern kann. Lediglich 25 % informierten sich weiter. „Ärzte sollten stärker Einfluss nehmen auf die mangelhaften INR-Kontrollen und die Patienten zum gleichwertigen Partner in der Handhabung ihrer Behandlung mit Gerinnungshemmern zu machen.“, so Eve Knight (ACE).

Patienten benötigen Informationen, die sie auch verstehen. Mündlich gegebene Auskünfte – meist in sehr kurzer Zeit – werden nicht immer vollständig erfasst. Gerade bei der Komplexität der Gerinnungshemmung bedarf es mehr als einer mündlichen Information.

Viele weltweit erschienene medizinische Fachbeiträge befassen sich mit der Frage, wie der Patient zur Mitarbeit herangezogen werden kann. Vorschläge dazu gibt es viele.

Prof. Dr. med. G. Lip et al: „Patienten benötigen klare, einfache und auf die Persönlichkeit zugeschnittene Informationen (Bleeding risk assessment and management in AF patients, - Thromb. Haemost 2011, 106:997-1011).“

Aber wenn man davon ausgeht – wie die Zahlen der englischen Befragung zeigen – dass sich nur 25 % der Patienten weiter informieren also interessiert sind und mitarbeiten wollen, dann wundert es nicht, dass die lebensnotwendige Behandlung mit Gerinnungshemmern bei Ärzten und auch Patienten ein „rotes Tuch“ ist. 

Gerinnungs-Selbstmanagement könnte einer der Schlüssel zur effektiven Patientenmitarbeit sein.

So schreibt M. Schwebe Universität Greifswald: „Selbst in Fachkreisen herrscht Unverständnis dafür, dass nur 20 % aller antikoagulierten Patienten in Deutschland das PSM praktizieren“(PharmacoEconomics –German Research Articles 2012: 10 (1)).

Beginnt nicht die Motivation bei der wöchentlichen INR-Bestimmung verbunden mit der Frage: Bin ich im therapeutischen Bereich? Wenn nein, was habe ich falsch gemacht und was kann ich an meiner Lebensführung verändern und möglicherweise verbessern.

Dr. med, Hugo ten Cate bringt es auf den Punkt: „Die Lebensqualität sowie die Zeit im therapeutischen INR-Bereich können positiv durch das Selbst-Management beeinflusst werden“ (Thrombosis and Haemostasis 107.5/2012).

„Die Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten (Phenprocoumon) ist vor allem Handhabung. Wird diese nicht gut gehandhabt ist es etwas Beliebiges und alles andere ist besser. Wird aber die Behandlung sehr gut durchgeführt, dann ist es sehr schwer, die Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten zu übertreffen“, so Prof. Dr. med. J. Ansell am 5. Mai diesen Jahres in Chicago anlässlich des Jahrestreffen amerikanischer Kardiologen.

Christian Schaefer (Juli 2012)