Patienten sollte das INR-Selbstmanagement übertragen werden.

Mehr als 70 Jahre ist es her, als Karl Paul Link in den USA das Cumarin synthetisierte. Heute nehmen 1 % bis 2 % der Weltbevölkerung entwickelter Länder Gerinnungshemmer ein, um sich vor arteriellen und venösen Thrombembolien zu schützen so J. Ansell, MD (Circulation. 2012; 125:165-170). Er führt weiter aus: „Die Langlebigkeit eines Medikaments, sogar eines mit vielen Nachteilen wie Warfarin sagt etwas über diesen Wirkstoff aus. Wie viele Medikamente können aufgeführt werden, die die Häufigkeit der verheerenden Folge (Schlaganfall) eines krankhaften Herzrhythmus zu zwei Dritteln reduzieren?“ Dass  die Einnahme der Vitamin-K-Antagonisten engmaschig kontrolliert werden muss, um den vorgeschriebenen therapeutischen Bereich einzuhalten und damit auch die negativen möglichen Folgen zu minimieren, ist hinlänglich bekannt. Weltweit sind es die Labore, Antikoagulations-Kliniken oder Ärzte, die diese Kontrollen durchführen.

Wäre es nicht sinnvoll, Gerinnungs-Patienten stärker mit in die Verantwortung einzubeziehen? Es besteht die Möglichkeit, vielen Patienten  das Gerinnungs-Selbstmanagement zu übertragen.  So schreibt aktuell C. Hengehan: „Unsere Analyse zeigt, dass das Selbstbestimmen und das Selbstmanagement eine sichere Wahl für geeignete Patienten jeglichen Alters ist“ (Lancet, 2012; 379:322-334).

Paul A. Kyrle et al, Wien, kommentieren die Analyse von Carl Heneghan in der gleichen Ausgabe dahingehend, dass das Selbstmanagement nur für Patienten mit Herzklappenersatz, die jünger als 55 Jahre sind, angeboten werden soll. Die Autoren sehen auch keinen Platz für die Selbstbestimmung bei anderen Erkrankungen bei denen eine Gerinnungshemmung notwendig ist.

Was ist mit denjenigen 180 000 Patienten in Deutschland, den mittlerweile vielen Selbstbestimmern in der Schweiz und in Österreich, die die INR-Werte  seit Jahren und Jahrzehnten selbst ermitteln?  

M. Nagler et al hat Ergebnisse einer Untersuchung (Hämostasiologie, 2012; 32; A77) auf dem GTH-Kongress Anfang Februar dieses Jahres in St. Gallen vorgestellt, nach denen selbst ermittelte INR-Werte mit INR-Laborwerten vergleichbar sind.

Vielleicht ist eines Tages das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Arzt und Patient so gut, dass  dem Partner „Arzt“ lediglich die Aufzeichnungen der selbst ermittelten INR-Werte ausreichen und eine zusätzliche Kontrolle beim Arzt bei Patienten ohne weitere medizinische Fragestellung nicht mehr nötig ist.

Christian Schaefer (April 2012)