Warum es so wichtig ist, im therapeutischen Bereich zu bleiben.

Wie gut eine INR-Einstellung ist, zeigt die Verweildauer im therapeutischen Bereich. In der Fachsprache wird diese Zeit als TTR (time in therapeutic range) bezeichnet. Mit anderen Worten: Halte ich mich mit meinen INR-Werten sehr lange oder fast ständig im vorgegebenen therapeutischen Bereich auf, um so geringer ist die Rate möglicher Blutungen oder Thromboembolien. E.G. Butchart hat schon 1988 (Circulation Supplement I, Vol 78 No.3, 1988) auf die Gefährlichkeit hoher INR-Schwankungen hingewiesen. 2002 schrieb E.G. Butchart (J Thorax Cardiovasc Surg), dass stabile INR-Werte das Überleben verbessern. Prof. Alan Jacobson, MD (Loma Linda, Kalifornien) hat auf der 7. Internationalen Konferenz der ISMAAP in Lyon (4. bis 5. 11 2011) mit einem eindeutigen „Ja“ Stellung bezogen.

Nach seiner Meinung ist eine „TTR“ für die Gruppe der hoch motivierten Patienten von 80 – 90% möglich. In vielen Ländern ist jedoch eine lange Verweildauer  im therapeutischen Bereich nicht höher als 70-75 %.

Die sog. „TTR“ wird auch für Studien herangezogen, z.B. dann, wenn verglichen wird, ob ein neues Medikament besser ist, als die Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten. INR-Selbstbestimmer werden bislang nicht in diese Studien mit einbezogen, Es gibt weltweit nur ca. 300.000 Patienten, die das INR-Selbstmanagement durchführen, davon mehr als die Hälfte in Deutschland.

A.G. Gallagher (Thrombosis and Haemostasis 106.5/2011) bewertet die Beziehung zwischen der TTR und dem Risiko von Schlaganfällen und der Sterblichkeit in einer Studiengruppe von 37.907 Warfarin-Patienten mit Vorhofflimmern in Großbritannien.  Hier hat sich gezeigt, dass sich im Durchschnitt nur 63 % Patienten im therapeutischen Bereich befanden. Der Vergleich der Gruppe von Patienten, die durchschnittlich zu 30 % mit derjenigen, die zu 70 % im therapeutischen Bereich lagen, ergab eine 79%ige Verringerung von Schlaganfällen.

In der gleichen Ausgabe fragen sich G.Y.H. Lip, Birmhingham, ob es durch die Einnahme von Warfarin (ähnlich wie Phenprocoumon) besser gelingt, Schlaganfälle zu verhindern. Bezogen auf die Arbeit von Gallagher betont er, dass eine gut durchgeführte Behandlung mit Gerinnungshemmern Patienten mit Vorhofflimmern ausreichend vor Schlaganfällen schützt.

Patienten, die ihre Gerinnungswerte selbst bestimmen, gehören zu der Gruppe hoch motivierter Patienten. Die Behandlung mit Gerinnungshemmern selbst in die Hand nehmen zu können, und somit auch eigenverantwortlich zu handeln, ist einer der wesentlichen Bausteine für eine optimale INR-Einstellung und einer hohen „TTR“.  

Christian Schaefer (Jan. 2012)