Krafttraining nach Herzklappenersatz/ -rekonstruktion

Das Muskelaufbautrining (MAT) oder Intensives Krafttraining)

Zum Abschluss der Krafttrainingsserie möchte ich das Muskelaufbautraining (MAT) aus dem Bereich des intensiven Krafttrainings vorstellen. Dieses MAT leitet sich aus dem Intervalltraining auf dem Fahrradergometer ab, welches in den 90iger Jahren von Prof. Katharina Meyer am Herzzentrum Bad Krozingen für kardial sehr schwach belastbare Patienten entwickelt wurde, die aufgrund von krankheitsbedingtem Bewegungsmangel keine Ausdauertraining absolvieren können und dürfen.

Durch Langzeitbewegungsmangel verliert die Muskelzelle die Fähigkeit der schnellen Energiebereitstellung und der effektiven Sauerstoffausnutzung. Dadurch kommt es zu Veränderungen im Hormonhaushalt, gesteigerten Entzündungsreaktionen im Blutbild und zu negativen Veränderungen der Herz- und Gefäßarbeit. Der Herzmuskel ist nicht mehr in der Lage, die für die muskuläre Arbeit notwendige Steigerung der Herzfrequenz und des Blutdrucks aufzubauen, die Luftnot unter Belastung steigt und zwingt zum schnellen Abbruch der körperlichen Belastung.

Der dabei entstehende physiologische Teufelskreis lässt sich wie folgt beschreiben:

  • Bewegungsmangel  
  • Reduzierung der Kapazität der Muskelzelle 
  • schlechtere Sauerstoffausschöpfung 
  • Veränderung des Hormonhaushalts 
  • Beginn der Entzündungsreaktionen im Blut 
  • schlechtere Fließeigenschaften des Blutes 
  • Verringerung der Gefäßelastizität 
  • Nachlassen der Pumpkraft des Herzmuskels 
  • schnelle Luftnot 
  • Reduktion der körperlichen Aktivität 
  • Bewegungsmangel.

Für diese Patienten und für Herzkranke mit einer sehr stark eingeschränkten Pumpfunktion des Herzens ist das MAT eine sehr gute Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit der Muskelzelle wieder herzustellen und damit langfristig den Herzmuskel zu entlasten und die Pumparbeit zu unterstützen.

Belastungsintensität:

Um eine stark reduzierte Muskelzelle wieder zu reaktivieren, müssen aber Intensitäten von mehr als 65 %, besser 75 – 80% der maximalen Kraft des jeweiligen Muskels aufgebracht werden. Der Muskel braucht also hohe Belastungsreize, um seine Energiebereitstellung zu verbessern. Dadurch kommt es auch zu einer Erhöhung der Nervenleitgeschwindigkeit, einer Stärkung des  Sehnen-Knochen-Ansatzes und zu einer Förderung des Knochenaufbaus.

Dabei reichen 6 – 8  Wiederholungen pro Muskelgruppe aus, um diesen Muskelaufbaureiz zu setzen. Die sechste bis achte Wiederholung dürfen dabei ruhig als schwer empfunden werden.

Diese 6-8 Wiederholungen entsprechen ca. 10 – 15 Sekunden, in der Herzfrequenz und Blutdruck nicht oder kaum angestiegen sind.

Trainingsempfehlung:

Therapiebeginn:

2 Trainingsgeräte (1 Beine 1 Oberkörper), pro Gerät 6-8 Wiederholungen mit jeweils 2 Minuten Pause zwischen den Geräten

Steigerung:

Maximal 4 Trainingsgeräte (2 Beine, 2 Oberkörper)

Irritierend für viele Therapeuten und auch Ärzte in Reha-Kliniken ist dabei, dass die Trainingseinheiten zwischen 6 und 15 Minuten liegen und dass mit sehr hohen Intensitäten trotz schwacher Herzleistung gearbeitet wird. 

Welche Patienten sollten dieses Training durchführen?

Wir führen dieses Training durch bei Patienten:

  • mit sehr stark eingeschränkter Herzfunktion 
  • stabiler chronischer Herzinsuffizienz
  • Patienten mit der Klassifikation NYHA III und
  • bei geriatrischen multimorbiden Patienten.

Bei uns in den Kliniken führen wir dieses Training 4mal pro Woche während der Anschlussheilbehandlung durch. Hierbei ist der Kraftraum zunächst wichtiger, als das Ausdauertraining 

Vorsicht:

Bei diesen Patienten sollte das Training nur von kardiologisch sehr erfahrenen  Sporttherapeuten durchgeführt werden. Wir beginnen mit diesem Training erst, wenn wir bei den vorgesehenen Patienten, ein EKG-überwachtes Fahrradergometer-Intervall-Training durchgeführt haben und die Herzfrequenz- und Blutdruckreaktion unserer Patienten kennen und abschätzen können.

Dieses Training kann auch im Rahmen der  Sturzprohylaxe und bei beginnender Osteoporose begleitend eingesetzt werden, dabei reichen 1 bis 2mal pro Woche aus.

Personen und Patienten, die in der Lage sind, ein 20 - 45minütiges Ausdauertraining zu absolvieren, brauchen dieses „Spezialtraining“ nicht, da ihre Muskelzellkapazität und Knochenstabilität ausreichen.

Uwe Schwan, Diplom-Sportlehrer, Therapieleiter, Sankt Rochus Kliniken, 76669 Bad Schönborn, E-Mail. u.schwan@sankt-rochus-kliniken.de (Okt. 2011)