Der Antikoagulationsausweis

Die Handhabung bereitet vielen Patienten Probleme
Während der Schulung zur Gerinnungs-Selbstkontrolle wird auch über das Führen des Antikoagulationsausweises gesprochen. Schon allein beim Betrachten des Dokumentes fangen für den Schulungsleiter und natürlich auch für den Patienten die Probleme an.

Die Handschrift des Arztes
Das Deckblatt, welches in der Regel nur die persönlichen Daten des Patienten, Diagnose, Name und Adresse des zuständigen Arztes beinhalten sollte, kann nur mit Mühe entschlüsselt werden. Das Lesen des eigenen Namens wird zu einem Ratespiel für den Patienten. Die abgekürzte Diagnose ist selbst für eine erfahrende Schulungskraft oftmals schwer zu entziffern. Auf die Frage des Schulungsleiters hin, ob sie, die zu Schulenden, überhaupt wissen, was auf dem Deckblatt stehen muß, wird nur mit den Schultern gezuckt und geantwortet, ‚das sei ja schließlich vom Arzt ausgefüllt worden‘. ‚Und überhaupt sei man ja hier, damit einen die Schulungsschwester darüber aufklären kann‘.

Welche Informationen gehören in den Ausweis?
Deutlich wird, daß der Patient in die Handhabung des Antikoagulationsausweises durch den behandelnden Arzt nicht umfassend aufgeklärt wird. Dieses haben wir sogar bei Patienten festgestellt, die schon langjährige erfahrene Selbstbestimmer sind.
Der Antikoagulationsausweis ist für den Patienten, den Arzt, behandelnde Krankenhausärzte im Notfall oder bei notwendigen Bedarf im Ausland ein lebenswichtiges Dokument. Daher sollen alle folgenden Daten gut leserlich eingetragen werden:

  • Adresse und Telefonnummer des Patienten;
  • Adresse und Telefonnummer des behandelnden Arztes;
  • Genaue Diagnose; bei künstlichen Herzklappen auch Typenbezeichnung und Op-Datum;
  • Therapeutische Bereich des INR-Wertes sowie den individuellen therapeutischen Zielbereich (Richtet sich nach der Diagnose und wird vom betreuenden Arzt festgelegt.);
  • Reagenz und Meßmethode (Bei Selbstbestimmern der Name des Gerätes);
  • Blutgruppe;
  • Tablettenname (Welches Kumarinpräparat: z.B. Marcumar®, Falithorm®, Sintrom®.).

Nach jeder Gerinnungskontrolle (Selbstbestimmer messen durchschnittlich wöchentlich) wird der Tag, an dem die Gerinnungskontrolle durchgeführt wurde, eingetragen. Die tägliche Dosis bis zur nächsten Kontrolle festgelegt und eingetragen.
Der ermittelte Wert wird als Zahl und/oder graphisch als Kreuzchen in die entsprechende Rubrik eingetragen. Der Vorteil der graphischen Darstellung liegt im rascheren und besseren Überblick bei eventuellen Abweichungen der Werte.
Die Spalte für Bemerkungen kann für einzelne vom Patienten als wichtig angesehene Punkte genutzt werden.Zum Beispiel sollte eingetragen werden:

  • Notwendige Zahnbehandlung mit überlappender Heparin-Therapie und Endokarditisprophylaxe (Verhütung von Herzinnenhautentzündung);
  • Krankenhausbehandlungen mit anderen Meßmethoden und Testsubstanzen und somit anderen therapeutischen Bereichen
  • die vom Hausarzt in größeren Abständen ermittelten Gerinnungserwerte mit den dazugehörigen therapeutischen Bereichen. (Wünschenswert wäre es, wenn alle Gerinnungswerte als INR-Werte ermittelt würden.);
  • Komplikationen, wie zum Beispiel Blutungen;
  • Eventuell erklärbare Schwankungen der Gerinnungswerte wie zum Beispiel durch übermäßigen Verzehr von Speisen mit sehr hohem Vitamin-K-Gehalt, Streß oder auch Urlaub.
  • Wichtig ist auch das regelmäßige Eintragen – fördert dieses zudem das Verstehen der Dosisanpassung des Gerinnungshemmers.

Farben helfen
Werden unterschiedliche Farben für den individuellen therapeutischen Zielbereich, für die selbst ermittelten und die fremd bestimmten Gerinnungswerte verwendet, wird die Les- und Erfaßbarkeit der Gerinnungswerte noch übersichtlicher.

Übersicht ist notwendig
Da der Antikoagulationsausweis vor allem zur Dokumentation für den behandelnden Arzt, aber auch für Patienten wichtig ist, müssen aus ihm Informationen hervorgehen unter anderem in welchen Zeitabständen die Gerinnungswerte vom Patienten selbst und vom behandelnden Arzt kontrolliert werden. Aber auch wie viele der selbst gemessenen Werte im individuellen therapeutischen Zielbereich liegen, die Tagesdosis – auch deren notwendigen Änderung. Der Antikoagulationsausweis sollte immer bei sich getragen werden. Sollte es einmal zu einem Unfall kommen und möglicherweise zur Notaufnahme, müssen die behandelnden Ärzte über die sog. „Marcumarisierung“ informiert sein, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Es ist aber nicht notwendig, den Antikoagulationsausweis hinter der Windschutzscheibe zu deponieren. Besser eignet sich hierfür die Plastikkarte „Blutungsgefährderter Patient“ mit dem Foto des Patienten, die im Auto an übersichtlicher Stelle liegen kann.
Langjährige Schulungserfahrung mit Patienten haben mich dazu veranlaßt, diese Tipps zur Handhabung des Antikoagulationsausweises darzulegen. Denn ich habe festgestellt, daß durch mehr Wissen seitens der Patienten der Umgang mit der Gerinnungs-Selbstbestimmung erleichtert wird. Die Vorteile der Gerinnungs-Selbstbestimmung liegen auf der Hand: Die eigenen Erfahrungen der Selbstkontrolle geben mehr Sicherheit im Alltag und nehmen die Angst.
Daß durch das Schulungspersonal vermittelte Wissen sollte auch in den Selbsthilfegruppen ausgetauscht werden und ist kann dann hilfreich für den einen oder anderen Patienten sein.

Anke Göttlicher-Wanke, Bad Berleburg