Krafttraining nach Herzklappenersatz/ -rekonstruktion (III)

Nachdem ich in der letzten Ausgabe  über das sensomotorische Training berichtet habe, erfahren Sie etwas heute über das Kraftausdauertraining. 

Kraftausdauertraining (KAT)

Der Begriff Kraftausdauertraining (KAT) hat sich in den 90iger Jahren in vielen Rehakliniken und Fitnesszentren etabliert, um sich deutlich vom Bodybuilding und Maximalkrafttraining im Leistungssport zu unterscheiden. Man findet auch häufig die Begriffe „Sanftes Krafttraining“ oder „moderates Krafttraining“, oder „gesundheitsorientiertes Krafttraining“. Dieses Training ist dadurch gekennzeichnet, dass mit mittleren Intensitäten, zwischen 40 - 70% der Maximalkraft der jeweiligen Muskelgruppe, und mit 15 - 25 Wiederholungen belastet wird.

Jedoch muss man aus heutiger sportmedizinischer und trainings-pyhsiologischer Sicht sagen, dass es sich überwiegend um ein Ausdauertraining handelt und weniger um Krafttraining, obwohl wir eine geringe Steigerung der Kraftkomponenten messen.

Selbst bei einem aeroben Ergometertraining (Kraftkomponente liegt bei ca. 30%) registrieren wir eine geringe Steigerung der Maximalkraft.

Knochen- und Gelenkstrukturen werden nicht stark beansprucht

Hintergrund dieses Belastungskonzepts ist, dass die Knochen- und Gelenkstrukturen nicht so stark beansprucht werden und somit auch für ältere und bewegungseingeschränkte Menschen gut durchzuführen ist. Weiterhin können mit diesem Training muskuläre Dysbalancen und Fehlhaltungen korrigieret werden.

Aus diesem Grund ist diese Trainingsform sehr gut geeignet, ein regelmäßiges Training mit einer Herzerkrankung und nach einem herzchirurgischen Eingriff zu beginnen.

Wirkungen des Kraftausdauertrainings 

  • Sensibilisierung der neuromuskulären Ansteuerung 
  • Stärkung des Sehnen – Band – Apparats
  • Aktivierung der aeroben und anaeroben Energiebereitstellung in der Muskelzelle
  • Verbesserung der Gefäßelastizität
  • Verbesserung des Insulinhaushaltes
  • Verbesserung der Blutdruckregulation
  • Hemmung von Entzündungsprozessen im Blut
  • Reduktion von Stresshormonen

Der Blutdruck summiert sich auf

Aus kardiologischer Sicht bietet dieses Training den Vorteil, dass bei richtiger Dosierung und mit den richtigen Wiederholungszahlen mit moderaten Blutdrucksteigerungen zu rechnen ist.

Doch Vorsicht, auf den Blutdruck müssen wir etwas genauer hinschauen!

Die Blutdruckreaktion ist beim Krafttraining, anders als beim Ausdauertraining, nicht vorauszusehen. Der Blutdruck summiert sich pro Wiederholung treppenartig auf, so dass selbst bei vermeintlich niedrigen Gewichten nach ca. 30 Sekunden mit sehr hohen Blutdruckwerten zu rechnen ist. Katheteruntersuchungen haben gezeigt, dass der Blutdruck schon nach 15 Wiederholungen selbst bei 50% der Maximalkraft auf über 200 mm HG ansteigen kann. Das entspricht einer Belastungsdauer von ca. 20 Sekunden. Dabei ist weiterhin zu berücksichtigen, wie viele Muskelgruppen in dem jeweiligen Bewegungsablauf eingebunden sind. Je mehr Muskelgruppen beansprucht sind, desto höher ist der Blutdruck. 

Daher sollte ein Krafttraining an Trainingsgeräten (Siehe Bild) bei Herzpatienten nur maximal 10 Wiederholungen dauern, dann 1 Minute Pause, damit sich der Blutdruck komplett erholen kann. Anschließend kann ich wieder 10 Wiederholungen ausführen.

Was passiert im Blutgefäß?

Bei einem Krafttraining wird das Blutgefäß durch den Muskeldruck zusammengepresst und braucht anschließend nach dem Absetzen des Gewichts mehrere Sekunden, um sich wieder komplett zu entspannen. Erst dann sinkt der Blutdruck wieder ab. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein dynamisches oder ein statisches Training handelt.

Je mehr Muskelgruppen bei einem Trainingsgerät beansprucht werden, desto stärker ist die Blutdrucksteigerung. Die Blutdrucksteigerung ist bei der Beinpresse größer als bei dem Butterflygerät.

Das heisst, dass die Blutdruckreaktion bei jedem Trainingsgerät anders ausfallen kann.

Daher muss die Dosierung und die Wiederholungszahl von Gerät zu Gerät neu ermittelt werden. Das gleiche gilt auch für ein Training mit Kleinhanteln und elastischen Therapiebändern. 

Trainingsempfehlung:

  • 10 Wiederholungen, (ca. 20 Sekunden),  drei Serien mit jeweils 1 – 2 Minuten Pause. Die Intensität, bzw. die Stärke des Gewichts wählen Sie so, dass Sie es bei der 8. – 10. Wiederholung als mäßig schwer empfinden.
  • 2 – 3 Geräte für die Beine und 2-3 Geräte für die Arme plus Oberkörper.
  • Das wären  sechs Geräte und einen Zeitumfang von ca. 30 – 45 Minuten.
  • Zweimal pro Woche 

Uwe Schwan, Diplom-Sportlehrer, Therapieleiter, Sankt Rochus Kliniken, 76669 Bad Schönborn, E-Mail. u.schwan@sankt-rochus-kliniken.de (Juli 2011)