Krafttraining nach Herzklappenersatz/-rekonstruktion (I)

Die Beurteilung der Wertigkeit des Krafttrainings in der Sporttherapie nach Herzoperationen hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich von einem Contra zu einem Pro entwickelt. Studienergebnisse aus der Onkologie, der Orthopädie (Osteoporose) und der Neurologie (Sturzprophylaxe) bestätigen die hohe Wertigkeit des Krafttrainings mit zunehmendem Alter.

Krafttraining hat positive Auswirkungen

Das regelmäßige Krafttraining (1 bis 2mal pro Woche) hat positive Auswirkungen auf die Knochendichte, die Knochenmasse, die Muskelfaserstruktur, den Sehnenansatz, die Gelenkstrukturen und auf die nervale Ansteuerung der Muskulatur aus dem Gehirn in die peripheren Muskelketten. Aus kardiologischer Sicht hat das Krafttraining Auswirkungen auf den Energiestoffwechsel, den Hormonstoffwechsel und damit auf die Elastizität der Blutgefäße und die Regulation der Herzarbeit.

Das bedeutet langfristig gesehen eine Entlastung des Herzmuskels von seiner Druckarbeit. Anders ausgedrückt: bei Alltagsbelastungen steigt der systolische Blutdruck nicht mehr so hoch an.

Wir wissen heute, dass auch ein regelmäßiges Krafttraining, genauso so wie Ausdauertraining, zu einer Senkung der Herzfrequenz und zu einer Senkung des systolischen Blutdrucks führt. Man muss sich immer mal vor Augen führen, dass der Herzmuskel ca. 100.000mal pro Tag schlägt. Eine Senkung der Ruhe-Herzfrequenz durch regelmäßiges körperliches Training von 80 auf 70 Schläge pro Minute bedeutet immerhin eine Entlastung um ca. 14.000 Schläge täglich.

Patienten mit Vorhofflimmern profitieren aber von der Elastizitätsverbesserung der kleinen Blutgefäße in der Peripherie und damit von der Senkung des Blutdrucks unter Belastung.

Herzfrequenz- und Blutdruckreaktion beim Krafttraining

Während die Herzfrequenz bei körperlicher Aktivität leicht zu überprüfen ist, ist eine exakte Messung des systolischen und diastolischen Blutdrucks wesentlich schwieriger und technisch sehr aufwendig. Die handelsüblichen Blutdruckmessgeräte mit Oberarmmanchette sind für die Registrierung des Blutdrucks beim Krafttraining ungeeignet, da sie den maximalen Wert bei Muskeldruck nicht erfassen. Eine exakte Messung ist nur über intraarterielle Katheter möglich oder über spezielle Messgeräte, wie sie nur in der Forschung eingesetzt werden.

Zu beachten ist der Blutdruck

Die Herzfrequenz steigt bei körperlicher Belastung kontinuierlich linear zur Belastung an (siehe Fahrradergometrie). Die Höhe der Herzfrequenz ist dabei abhängig von der Höhe und der Dauer der Belastung. Bei einem Ausdauertraining steigt die Herzfrequenz innerhalb der ersten drei – fünf Minuten an und bleibt dann konstant, wenn die Belastungsintensität nicht erhöht wird. Bei Krafttraining steigt die Herzfrequenz ebenfalls kontinuierlich mit zunehmender Dauer an, unabhängig von der Intensität (Höhe des zu bewegenden Gewichtes).

Nun muss man aber den Blutdruck dabei beachten. Bei einer Fahrradergometrie steigt der Blutdruck kontinuierlich zur Herzfrequenz an. Beim Ausdauertraining steigt der Blutdruck mäßig an und bleibt während des Trainings konstant. Beim Krafttraining allerdings steigt der Blutdruck kontinuierlich an mit jeder Wiederholung, die das Gewicht bewegt wird an. Katheteruntersuchungen haben gezeigt, dass der Blutdruck bereits ab der 12. -15. Wiederholung über 180 mm HG und nach der 20. Wiederholung auf 240mm HG angestiegen sein kann. Und da liegt das Risiko.

Bei einem Krafttraining von mehr als 50% der Maximalkraft steigt der Blutdruck kontinuierlich auch bei gleich bleibendem Gewicht an.

Ein Krafttraining, egal ob mit Kleinhantel, Theraband (oder Ähnlichem) oder aber gar an Trainingsgeräten (wie sie in Fitnessstudios oder Rehazentren zu finden sind), sollte in der Kardiologie nach folgendem Prinzip erfolgen:

  • 10 Wiederholungen,  2 – 3 Serien, 2 Minuten Pause zwischen jeder Serie.
  • 10 Wiederholungen bedeuten ca. 15 bis 20 Sekunden Belastung.

Untersuchungen haben gezeigt, dass in dieser Zeit  weder Herzfrequenz noch Blutdruck angestiegen sind oder niedriger sind als bei vergleichbarem Ausdauertraining. Bei dieser Form des Krafttrainings handelt es sich um nahezu risikoloses Training, welches bereits seit Jahren an fortschrittlichen Rehakliniken mit großem Erfolg durchgeführt wird. Dabei können durchaus Intensitäten von 50 – 70% der Maximalkraft eingesetzt werden, um alle oben genannten Organsysteme zu erreichen.

In der modernen Sporttherapie unterscheiden wir 4 Stufen des Krafttrainings:

  • Sensomotorisches Training  (Vibrationstraining)
  • Intervalltraining
  • Kraftausdauertraining
  • Muskelaufbautraining

Uwe Schwan, Diplom-Sportlehrer, Therapieleiter; Sankt Rochus-Kliniken, D-76669 Bad Schönborn (Jan. 2011)