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Ist Konakion® zu Hause und auf Reisen überhaupt notwendig?

Immer wieder hört oder liest man, dass die Substanz Phytomenadion (Konakion®) bei plötzlich auftretenden stärkeren Blutungen oder bei hohen INR-Werten Abhilfe schaffen kann.

Früher...
In früheren Jahren empfahlen Ärzte vieler REHA-Kliniken Herzklappen-Patienten, eine Konakion-Ampulle mit sich zu führen. Auch in den alten Ausweisen "Antikoagulantienbehandlung mit Marcumar®" wurde darauf hingewiesen, dass Konakion® bei größeren Blutungen als wirksames Gegenmittel zur Verfügung steht.
Frau Dr. med. C. Halhuber jedoch wies schon in Ihrer ersten Auflage des Buches "Leben mit der künstlichen Herzklappe" 1986 darauf hin, dass Konakion® nicht notwendig sei: "Bei leichten Blutungskomplikationen genügt es im allgemeinen, die Marcumar-Dosis zu reduzieren. Außerdem kann ein Gegenmittel gegen das Marcumar®, Vitamin K (Konakion®) gegeben werden, als Tropfen oder in die Vene, das aber erst nach etwa sechs Stunden wirksam wird und daher nicht zur Notfall-Behandlung geeignet ist. Uns erscheint es daher auch weder notwendig noch sinnvoll, dass der Patient eine Konakion-Ampulle bei sich trägt".
Im Patientenbuch "Die Quick-Wert Selbstbestimmung" von Dr. A. Bernardo und Dr. C. Halhuber 1995 wird bei einer möglichen Gabe von Konakion® auf die unbedingte Zusammenarbeit mit dem Arzt hingewiesen: "Bei sehr niedrigen Quick-Werten (zu hoher INR) sollten Sie zusammen mit Ihrem Arzt entscheiden, ob Konakion® gegeben werden sollte."

...und heutzutage
Ein Blick in das "Herzklappen-Forum" der web site "www.die-herzklappe.de" zeigt aber auch heute, dass das Thema immer noch aktuell ist.
So schreibt Dietmar aus Graz am 21.7. "Diesen Ausweis (Antikoagulantien-Behandlung) und den Antagonisten Konakion® soll der Patient stets bei sich tragen. Bin ich gefährdet wenn ich kein Konakion® mit mir führe?"
Antworten von Herzklappen-Patienten auf diesen Brief lassen erkennen, dass Konakion® nicht zum Haushalt eines Gerinnungs-Patienten gehören sollte.

Lore aus Frankfurt schrieb: "Genauso entgleisen kann der Quick-Wert bei einseitiger Ernährung. Ich bin fast jedes Jahr zwei Wochen auf Kuba und esse die sehr reduzierte Kost in einheimischen Restaurants. Neben einem normalen Frühstück esse ich mittags oder abends einen Hühnerschenkel und zwischendurch noch trockene Brötchen. Am nächsten Tag vielleicht ein Schinkensandwich und Kekse. Also praktisch gar keine Vitamin-K-Träger. Ab dem vierten Tag habe ich dann einen Quick-Wert von 7% = INR über 5. Jetzt weiß ich schon Bescheid und nehme ab dem dritten Tag jeden 2. Tag einen oder zwei Tropfen Konakion(r) und bin wunderbar im therapeutischen Bereich. Dabei muss ich nicht mit Marcumar®‚ herum spielen', mit Konakion® habe ich die schnelle Korrektur".

Hierzu baten wir Herrn PD Dr. med. Heinrich Körtke um eine Stellungnahme:

"Der Bericht von "Lore" hat uns dazu ermuntert, unsere Stellungnahme hierzu abzugeben. Als erstes sind wir der Meinung, dass eine ausgewogene Ernährung, auch unter einer Marcumar-Therapie eingehalten werden sollte. Es besteht überhaupt kein Grund, die gewohnte Ernährungsweise, die natürlich gesund und ausgeglichen sein sollte, zu ändern. Marcumar-Patienten sollten auf eine gesunde Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen achten und einem ausgewogenen Ausgleich zwischen Kohlehydraten, Eiweiß und Fetten, insbesondere den ungesättigten Fettsäuren schaffen. Tabellen über den Vitamin-K-Gehalt sind meiner Meinung gar nicht so wichtig, sondern das Wissen um die Reaktion Ihres eigenen Körpers auf die bestimmte Lebensmittel und damit der Blutgerinnung. Wenn - auch bei einer normalen Zufuhr von Vitamin-K-haltigen Lebensmittel - bedeutsame Ausschläge der INR-Werte erfolgen und diese durch Klimawechsel und Änderung der Lebensgewohnheiten noch verstärkt werden, so halten wir nach wie vor, das Gegensteuern mit Konakion® für die schlechteste Alternative. Ratsamer wäre es im Wissen auf die Reaktion von Vitamin-K-haltigen Lebensmitteln, die Tagesdosis des Gerinnungshemmers um eine Viertel Tablette zu erhöhen. Bei einem Klimawechsel und Änderung der Lebensgewohnheiten ist es sinnvoller, schon vor Ankunft am Urlaubsort die Tagesdosis um eine Viertel Tablette zu reduzieren. Hiermit werden  weniger Schwankungen erreicht und das gefahrvolle Gegensteuern mit Konakion® wird vermieden. Nutzen Sie die Vorteile des INR-Selbstmanagment".

Christian Schaefer, Ratingen (Juni 2003)