Vitamine: Wann nützen und wann schaden sie?

Vitamine sind keine Energielieferanten oder Energieträger aber sie sind aber wichtig für den Stoffwechsel. Vitamine befinden sich in Lebensmitteln in verschiedenen Konzentrationen. Wie z.B. in Obst und Gemüse. Aber es gibt auch Vitamine die im Fleisch vorkommen wie z.B. B 12 was für die Blutbildung wichtig ist. Es gibt 13 Vitamine die man in wasserlösliche und fettlösliche unterscheidet. Die fettlöslichen Vitamine werden nur aufgenommen wenn Fett in der Nahrung vorhanden ist. Und die wasserlöslichen Vitamine werden nur mit Wasser aufgenommen und über den Urin ausgeschieden.

  • Die wasserlösliche Vitamine sind B 1, B 2, Niacin, B 6, Folsäure, Pantothensäure, Biotin, B 12 und der Vitamin C-Komplex.
  • Die fettlöslichen Vitamine sind Vitamin A, Beta Karotin, D, E und K.

Vitamine können in hoher Dosierung schaden

Mehr als 10% der Bevölkerung in den westlichen Ländern konsumieren regelmäßig Vitaminpräparate. Bei einer gesunden ausgeglichenen Ernährung scheint die zusätzliche Vitamineinnahme - auch des Vitamin C -, insbesondere in höherer Dosierung mehr zu schaden als zu nützen. Die Menge macht es aus!

Die ergänzende Einnahme von Vitamin D und Calcium zur Osteoporose-Prophylaxe besonders bei antikoagulierten Menschen sowie die Folsäure bei Frauen im gebärfähigen Alter stehen hier nicht zur Debatte.

Vitamin K

Das K steht für Koagulation (Gerinnung). Vitamin K befindet sich in allen grünen Pflanzen. Es ist fettlöslich und benötigt für die Aufnahme Gallensäure. Vitamin K wird besser verarbeitet mit fetthaltiger Nahrung.

Bei Gallenproblemen ist die Fettaufnahme gestört was zur Folge hat, dass die Vitamin-K-Aufnahme geringer ist.

Vorsicht ist auch geboten, wenn man sich entschließt für längere Zeit eine Rohkost-Diät durchzuführen oder eine Grünkost. Man sollte immer daran denken, dass Diäten fettarm sind. Die Folge: die INR schwankt.

 

Vitamin K und Osteoporose

Das Vitamin K ist auch wichtig für die Knochenbildung, denn Vitamin K spielt bei der Bildung des Eiweißes Osteokalzin eine wichtige Rolle. Deshalb sollten Patienten die Gerinnungshemmer einnehmen die üblichen minimalen vorbeugenden Maßnahmen gegen Osteoporose erfüllen, nämlich: Darauf schauen, dass bei der Ernährung die Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr genügend ist, sinnvolle körperliche Aktivität und Vorbeugen von Stürzen durch geeignete Maßnahmen.

Vitamin-K-Gehalt der Nahrungsmittel

Die Nahrungstabellen sind eigentlich nur relevant wenn man Interesse halber nachschauen will. Sie zeigen nur, dass Exzesse in der Ernährung Probleme mit der Gerinnungshemmung machen können. Und wenn z.B. Appetit  auf größere Mengen von Sauerkraut besteht, dann sollte vorsorglich die INR kontrolliert werden.

Bei einer ausgewogenen Ernährung mit Gemüse, Obst, Fleisch macht der Vitamin-K-Gehalt keine Probleme. Im Gegenteil es nützt, da die INR stabiler bleibt.

Vitamin-K-Antagonisten (VKA)

Es gibt verschiedene Medikamente-Gruppen die einen Einfluss auf die Blutverdünnung haben. Es ist sind dies die Gerinnungshemmer, die eigentlichen Blutverdünner und die Medikamente der Blutplättchenhemmer (Thrombozytenaggregationshemmer). Im Volksmund als Blutverdünnung bezeichnet. Es ist aber nicht eine Blutverdünnung wie bei Phenprocoumon oder Acenocoumarol. Es handelt sich hierbei die Hemmung der Blutplättchen.

Die Blutverdünner im engeren Sinne sind die Antikoagulantien (Gerinnungshemmer). Hier gibt es verschiedene Gruppen der Vitamin-K-Antagonisten:

  • Kumarine: Phenprocoumon, Acenocoumarol, Warfarin,
  • Heparine und
  • Faxtor-Xa-Inhibitoren.

Kumarine sind seit 50 Jahren lebenswichtige Medikamente, die eine ausgezeichnete Wirkung haben und wenn sie sorgfältig angewandt werden, sind diese eine sehr wichtige Säule in der Behandlung von Vorhofflimmern, Thromboseneigungen, Schlaganfälle und beim Herzklappenersatz.

Gegenspieler des Vitamin K sind Gerinnungshemmer

Die Gerinnungsfaktoren werden in der Leber gebildet. Ein Teil der Gerinnungsfaktoren braucht für die Bildung Vitamin K. Es sind die Faktoren II, VII, IX und X.

Kumarine (Gerinnungshemmer) wirken dem Vitamin K entgegen und verhindern daher, dass die Faktoren II, VII, IX und X so vollständig gebildet werden, dass sie in der Gerinnung wirksam werden.

Um es anschaulich zu machen: Eine stabile Gerinnungshemmung bedeutet ein stabiles Gleichgewicht zwischen Vitamin K einerseits und Vitamin-K-Antagonismus andererseits. Und dieses Gleichgewicht wird mit der Dosiseinstellung gesucht, um den therapeutischen Bereich einzuhalten. Wenn die INR stabil innerhalb des therapeutischen Bereichs eingestellt ist, besteht ein Gleichgewicht zwischen dem Gerinnungshemmer und Vitamin K. Wenn man nun die Dosis des Gerinnungshemmers erhöht, kommt es zum Ungleichgewicht. Ähnlich sieht es aus, wenn mehr Vitamin K aufgenommen wird, z.B. bei Umstellung der Ernährung auf Grünkost. Eine engmaschige INR-Kontrolle ist dann notwendig.

Wie ist es mit Vitamin K und der Gerinnungshemmung?

Früher hieß es, man solle Vitamin-K-abhängige Lebensmittel meiden wie z.B. Sauerkraut oder andere Vitamin-K-haltige Lebensmittel. Im Laufe der Zeit hat man festgestellt, dass Menschen die diesen Ratschlag streng einhalten eigentlich die geprellten sind. Es sind diejenigen, bei denen die Gerinnungshemmung instabil ist, d.h. die INR-Werte schwanken. Dieses hat man anhand von Studien* herausgefunden, mit dem Ziel, ob es möglich ist, bei höherer Vitamin-K-Aufnahme die INR zu stabilisieren. Die Ergebnisse zeigten, dass 50% bis 80% derjenigen die Gerinnungshemmer einnehmen, sich die INR-Werte unter zusätzlicher Einnahme von Vitamin K deutlich stabilisierten.

Soll man Vitamin K zusätzlich einnehmen?

Wenn die INR schwanken sollte bzw. schlecht einstellbar ist - bei unverändertem Lebensstil wie z.B. regelmäßige körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Medikamenteneinnahme - sollte mit dem Hausarzt besprochen werden, ob eine geringe zusätzliche Einnahme von Vitamin K als Medikament hier Abhilfe schaffen kann.

Vitamin K spielt in Verbindung mit Gerinnungshemmern eine wichtige Rolle und darf bei schwierig einstellbarer INR zusätzlich eingenommen werden, um das notwendige Gleichgewicht herzustellen.

*) Wiss. Literatur beim Verfasser

Nach dem Vortrag von Prof. Dr. med. W. Wuillemin am 21.11.2009 in Solothurn (INRswiss-Tag) Redaktion: Christian Schaefer (Jan. 2011)