Wenn antikoagulierte Patienten verreisen

Anlässlich der 6. Internationalen ISMAAP-Konferenz vom 8. bis 9. Okt. 2010 in Thalwil/Schweiz stellte PD Dr. med. Jürgen Ringwald, Erlangen, erste Ergebnisse der Fragebogenstudie zur  ‚Einnahme von Gerinnungshemmern auf Reisen’ vor (siehe auch „Die Gerinnung“ Nr. 37).

Interessant ist, dass bisher nur in einer schwedischen Studie in den 80er Jahre (Thulin) Daten erhoben wurden, wie sich Patienten mit mechanischer Herzklappe verhalten, wenn sie auf Reisen gehen. Lediglich 23% der Befragten waren länger als drei Wochen unterwegs und von diesen führten nur 5% eine zusätzliche INR-Kontrolle durch. Das INR-Selbstmanagement gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Nunmehr liegen Daten von ca. 1,000 antikoagulierter Patienten vor, wie sie ihren Urlaub gestalteten und welche Probleme auftraten.

Gefragt wurde wie sich die Patienten vor und nach Beginn der Behandlung mit Gerinnungshemmern verhielten bzw. verhalten. Hier zeigt sich, dass es Unterschiede zwischen denjenigen Patienten gibt, die das Gerinnungs-Selbstmanagement durchführen oder ausschließlich die INR-Werte beim Arzt bestimmen lassen. Eines steht fest: Das Gerinnungs-Selbstmanagement ermutigt zur Reise in das Ausland. Aber es gibt hierbei Unterschiede. Man reist weniger in Länder die nicht so weit entfernt sind, wobei darauf geachtet wird, dass diese Länder ein gutes Gesundheitssystem haben.

34,5% der reisefreudigen Patienten hatten Probleme mit der Gerinnungshemmung. 78% dieser Gruppe stellten INR-Abweichungen fest. Blutungen gab es nur in geringem Ausmaß, wobei diese hauptsächlich der INR-Abweichung angelastet wurden. Patienten, die das Gerinnungs-Selbstmanagement durchführten, stellten die Abweichung am Urlaubsort fest und veränderten aufgrund dessen die Dosis, da die INR in 70% der Fälle erhöht war. Fragt man nach den Gründen für die INR-Abweichung wurden die Veränderungen der Ernährung und den klimatischen Gegebenheiten als Ursache genannt.

Bei 6,4% aller verreisten Patienten traten mehrheitlich Nasenbluten und Hämatome auf. 75,5% dieser Gruppe benötigten keine ärztliche Hilfe; sie halfen sich selbst. Patienten ohne Gerinnungs-Selbstmanagement nahmen mehr medizinische Hilfe am Urlaubsort in Anspruch.

Dr. med. Artur Bernardo, Gais, Schweiz, stellte ebenfalls auf der ISMAAP-Konferenz Daten einer aktuellen internationalen Umfrage (Global Anticoagulation Survey, GLAS) vor. Auf die Frage was für sie ausschlaggebend war, die INR-Werte selbst zu kontrollieren, gaben die 368 Studienteilnehmer (A, D, CH) zu 91 % als Grund „mehr Freiheit beim Reisen“ an.

Christian Schaefer (Jan. 2011)