Warum ist Quick-Wert nicht gleich Quick-Wert?

Stellen Sie sich diesen Fall vor:
Ein Herzklappen-Patient - bislang bei seinem Hausarzt in Behandlung, der auch regelmässig die Gerinnungskontrolle durchführt - bekommt eine Überweisung zu einem Facharzt. Der Patient stellt sich dem Internisten vor und weist auf seine künstliche Herzklappe hin. Vorsorglich lässt der Arzt den Quick-Wert des Patienten bestimmen. Bei der Besprechung teilt ihm der Arzt den Quick-Wert in Höhe von 7 % mit. Der Patient schaut in seinen »Antikoagulantien-Ausweis« und bekommt einen Schreck, denn der Quick-Wert weicht erheblich von den bisher bei ihm ermittelten Quick-Werten ab. Der Patient - höchst verunsichert - weiss, dass ein sinkender Quick-Wert Blutungen verursachen kann und macht den Internisten auf den Unterschied aufmerksam. Der Arzt beruhigt ihn jedoch, alles habe seine Richtigkeit.


Warum dieser plötzliche Unterschied in den Quick-Werten?
Beide Labore haben lediglich den Quick-Wert angegeben und es versäumt, diese Werte auch in INR (International Normalized Ratio) anzugeben. Ohne dieses Versäumnis wäre die Verunsicherung des Patienten erst gar nicht aufgetreten.
Zur Erläuterung: Das Labor des Hausarztes hat die Testsubstanz »Thromborel« verwendet. Hier liegt der therapeutische Bereich zwischen 15 bis 27 % Quick (INR 4,5 - 2,5), das Labor des Internisten hingegen verwendet die Testsubstanz »Thrombotest«. Hier liegt der therapeutische Bereich zwischen 5 und 10 % Quick (INR 4,5 - 2,5). Eine Vergleichbarkeit der beiden ermittelten Quick-Werte ist somit nicht möglich.

Ein anderer Fall
Ein Herzklappen-Patient - vertraut in dem Umgang mit der Gerinnungs-Selbstkontrolle - lässt anlässlich der jährlichen Kontrolluntersuchung durch einen Kardiologen den Quick-Wert in der Praxis mitbestimmen. Beim Abschlussgespräch erfährt der Patient, dass sein Quick-Wert 30 % beträgt. Die Verunsicherung des Patienten ist verständlich, denn nach seinen eigenen Gerinnungs-Bestimmungen liegt sein Quick-Wert durchschnittlich bei 17 %.
Sein Arzt hält die selbst gemessenen Werte für eher unwahrscheinlich.
Der Patient lässt jedoch nicht locker und bittet den Arzt im Labor nachzufragen, ob der Messwert zusätzlich in INR angegeben werden könne. Sein aktueller selbst ermittelter INR-Wert betrage 2,8.
Nachdem der Arzt im Labor den Quick-Wert des Patienten in INR hat umrechnen lassen, waren der zuletzt durch den Patienten selbst ermittelte Wert und der durch das Labor ermittelte Wert annähernd gleich und lagen beide im therapeutischen Bereich.
Das Einsendelabor des Arztes verwendete ein Thromboplastin mit einem therapeutischen Bereich, der eine Vergleichbarkeit in Quick mit dem »CoaguChek« nicht zuliess.
Auch hier hätte die anfängliche Verunsicherung, die sowohl beim Arzt gegenüber der Gerinnungs-Selbstbestimmung als auch beim Patienten gegenüber dem Laborwert bestand, vermieden werden können, wenn die Bestimmung gleich in INR erfolgt wäre.

Und noch ein Fall
Ein Herzklappen-Patient ist geschäftlich unterwegs. Aus sich plötzlich ergebenen Termingründen muss die Reise auf 14 Tage verlängert werden. So sucht er nach acht Tagen einen Arzt auf, um den Quick-Wert bestimmen zu lassen, da er seinen »CoaguChek« zu Hause gelassen hat. Das Blut wird — wie üblich beim Arzt — aus der Vene entnommen. Die Arzthelferin bittet ihn am nächsten Morgen anzurufen, da dann die Werte vom Einsendelabor vorlägen. Seinerseits nachgefragt, wird ihm mitgeteilt, dass das Labor am frühen Nachmittag die Analysen durchführe. Der ihm am nächsten Morgen mitgeteilte Quick-Wert weicht erheblich von seinen bisher selbst ermittelten Werten ab. Dass der Herzklappen-Patient natürlich verunsichert ist, können sich Betroffene vorstellen.
Auch hier wäre es vonnöten gewesen, dass das Labor beide Werte — also INR und QUICK — angegeben hätte. Nachdem der Patient nochmals hat nachfragen lassen, wurde die INR mitgeteilt. Im Vergleich mit seinem vor acht Tagen ermittelten INR-Wert ergab sich kein grosser Unterschied. Der Herzklappen-Patient konnte seine Geschäftsreise beruhigt fortsetzen.

Die Quintessenz aus den drei Fällen
Es sollte gezeigt werden, dass aufgrund verschiedener Thromboplastine, die die Labore verwenden, die therapeutischen Bereiche unterschiedlich und somit die ermittelten Quick-Werte nicht vergleichbar sind. Bei Notfällen könnten falsche Rückschlüsse gezogen werden. Daher ist es notwendig, die Blutgerinnungswerte grundsätzlich in INR anzugeben, um eine annähernd vergleichbare Überwachung der Antikoagulation (Gerinnungshemmung) zu erreichen.

Folgende Empfehlungen:

  • Lassen Sie sich bei jeder Blutgerinnungs-Bestimmung durch den Arzt den INR-Messwert mitteilen und tragen Sie diesen in Ihren »Antikoagulantien-Ausweis« ein. Bei einem Notfall oder einem Arztwechsel sind alle ermittelten INR-Messwerte vergleichbar!
  • Wenn Sie Gerinnungs-Selbstbestimmer sind, ermitteln Sie stets in INR und Quick und tragen Sie beide Werte in Ihren »Aantikoagulantien-Ausweis« ein. Teilen Sie bei Kontrolluntersuchungen Ihrem Arzt beide Werte mit. Sollten trotzdem Missverständnisse bei den ermittelten Quick-Werten auftreten, weisen Sie Ihren Arzt darauf hin, dass der therapeutische Bereich - wenn Sie mit dem CoaguChek oder dem KC1A von Amelung die Blutgerinnung bestimmen - zwischen 10 und 20 % Quick oder wenn Sie die Selbstkontrolle mit dem CoaguChek Plus durchführen - zwischen 18 und 31 % Quick liegt.
  • Bitten Sie Ihren Arzt, dass er sich vom Labor den INR-Wert geben lassen soll.
  • Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn bei einer Labormessung ein geringer Unterschied bei der INR gegenüber Ihren selbst ermittelten INR-Werten auftritt. (Die Blutgerinnung unterliegt auch Schwankungen.)
  • Vermeiden Sie bei der Selbstbestimmung mögliche Fehlerquellen, denn eine richtige Blutentnahme ist Voraussetzung für ein
    zuverlässiges Testergebnis:
  1. Nehmen Sie aus einer Einstichstelle nicht mehrmals Blut ab.
  2. Quetschen Sie das Blut nicht heraus.
  3. Stechen Sie erst in Ihren Finger, wenn Sie den gewonnenen Blutstropfen auch sofort auf den Teststreifen auftragen können.
  4. Bestimmen Sie regelmässig (möglichst wöchentlich) an einem bestimmten Tag (z. B. Sonntagvormittag). So erzielen Sie eine Konstanz in Ihren ermittelten Werten, die auch dem Arzt das Vertrauen gibt, dass Sie die Methode beherrschen.
  5. Nur die Angabe in INR gibt dem Arzt eine bessere Vergleichbarkeit der ermittelten Werte.
  6. Bedenken Sie, dass Quick-Wert eben nicht gleich Quick-Wert ist.

Christian Schaefer, Ratingen;
Beratung: PD Dr. med. Heinrich Körtke 
(Juni 2002)

Dass es keine Vergleichbarkeit von Quick-Werten gibt, zeigt die Abbildung. Jeder dieser in Deutschland angebotenen Testsubstanzen (rot markiert) – die die Labore verwenden – haben unterschiedliche therapeutische Bereiche. Jeder Arztwsechel oder der stationäre Aufenthalt in einem Krankenhaus bedeuten möglicherweise, dass ein anderer Quick-Wert mit einem entsprechenden therapeutischen Bereich ermittelt wird.