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Verbessern Gentests die Gerinnungshemmung?

Wie schwierig es ist, zu Beginn der Behandlung mit Gerinnungshemmern die richtige Dosis zu finden, können viele Ärzte bestätigen. Es kann Monate dauern, bis die entsprechende Dosierung gefunden ist. Der therapeutische Bereich ist schlecht einstellbar, da die INR-Werte schwanken können. Der Grund liegt in den beiden Genen VKORC1 und CYP2C9. So gibt es Patienten, die ein erhöhtes Ansprechen gegenüber dem Gerinnungshemmer haben, andere Patienten hingegen eine teilweise Abwehr gegenüber dem Gerinnungshemmer aufweisen.

Auf unserer Website die-thromboseneigungen.de haben wir gefragt, wie hoch die Wochendosis von Phenprocoumon (Marcumar®/Falithrom®) ist. 1562 antikoagulierte Patienten haben bisher teilgenommen. 25,4% benötigen bis zu 4 Tabletten. 50,3% zwischen 4,25 und 7 Tabletten. 13,6% zwischen 7,25 – 9 Tabletten und 10,7% der Patienten benötigen mehr als 9,25 Tabletten pro Woche. Die Zahlen belegen, warum es zu Beginn der Behandlung mit Gerinnungshemmern so schwierig ist, die richtige Dosis zu finden.

Gerade die ersten sechs Monate nach Beginn der Einnahme von Gerinnungshemmern sind daher auch die problematischsten. Stark schwankende INR-Werte können Blutungen aber auch Thromboembolien auslösen.

Auf dem diesjährigen Kongress der „American College of Cardiology“ (ACC.10) wurde das Thema des genetischen Testens bei Patienten die mit Gerinnungshemmern eingestellt werden diskutiert. Es handelt sich hierbei um Warfarin welches eine kürzere Halbwertzeit hat als Phenprocoumon. „Das genetische Testen, so Robert S. Epstein, M.D. Franklin Lakes, N.J./USA, kann uns vorab sagen, welche Dosis notwendig ist, um schnell eine stabile Dosis zu erhalten. Die Patienten haben ein um 43 % erniedrigtes Risiko einer Krankenhauseinweisung aufgrund von Blutungen oder Thromboembolien. Wenn wir zwei Krankenhauseinweisungen pro 100 Patienten vermeiden können, würde das die Kosten der Genotypisierung ausgleichen.“ Voraussetzung ist auch, dass die Ärzte die Dosierung den Ergebnissen der Genotypisierung anpassen und entsprechend engmaschig die Patienten überwachen.

Ob Tests dieser Art bei uns sinnvoll wären, steht z. Zt. nicht zur Diskussion. Wichtig ist es, dass bei Neueinstellung auf einen Gerinnungshemmer der Patient umfassend aufgeklärt und die ersten sechs Monate engmaschig betreut werden muss. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch auf die Möglichkeit des Gerinnungs-Selbstmanagement hingewiesen werden.

Christian Schaefer, Juli 2010