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Was bedeutet INR-/Quick-Wert?

Als A. J. Quick in den Jahren 1934 bis 1936 seinen Labortest zur Kontrolle der Blutgerinnungsfähigkeit entwickelt hatte, war an einen chirurgisch durchgeführten Klappenersatz noch nicht zu denken und noch weniger an einen Quick-Wert im »individuellen therapeutischen Bereich«. So stand auch in Gesundheitsbüchern, die zu jener Zeit für den privaten Haushalt bestimmt waren, zu lesen, dass eine Heilung des Herzklappenfehlers in den weitaus grössten Fällen nicht möglich sei.
A. J. Quick konnte 1936 feststellen, wie lange die Gerinnungszeit des Blutes einzelner Menschen in Sekunden andauert. Der normale Quick-Wert liegt bei Menschen, die keine Gerinnungshemmer einnehmen, zwischen 70 % und 130 %. Soll die Gerinnungszeit verlängert werden, so kann die Verlängerung aufgrund eingenommener Gerinnungshemmer mit dem Quick-Wert, die Wirkung von Heparin mit einem anderen Test (PTT oder aPTT) festgestellt werden. Die Wirkung von Acetylsalicylsäure (ASS) auf die Gerinnungszeit wird im Routinelabor noch nicht bestimmt.

Patienten mit einer künstlichen Herzklappe müssen lebenslang Gerinnungshemmer einnehmen, um den Quickwert so weit abzusenken, dass er in dem gewünschten »individuellen therapeutischen Bereich« liegt. Dieser »individuelle therapeutische Bereich« ist jedoch aufgrund verschiedenartiger angebotener Thromboplastine in der Bewertung nicht einheitlich.

Jedes Labor verwendet ein anderes Thromboplastin. Das bedeutet, dass der »individuelle therapeutische Bereich« auch unterschiedliche Quick-Werte haben kann. Dieses kann zu erheblichen Verunsicherungen führen, wenn Herzklappen-Patienten z. B. ein Krankenhaus aufsuchen müssen oder den Arzt wechseln und dieser mit einem anderen Labor zusammenarbeitet. Herzklappen-Patienten, die die Gerinnungswerte selbst bestimmen, werden eine mögliche Differenz der Quick-Werte bei der Routineuntersuchung durch den Arzt feststellen.
Um diese Uneinheitlichkeit auszuschalten, bietet sich die weltweit empfohlene Messeinheit »International Normalized Ratio« (INR) an. Der Vorteil ist der, dass INR den Vergleich der Gerinnungsmesswerte trotz unterschiedlich verwendeter Thromboplastine erlaubt. Anstelle der Prozentwerte gibt man einen Quotienten an (Verhältniszahl, engl. Ratio). INR 1 ist gleichzusetzen mit einem 100 %igen Quickwert - also eine normale Blutgerinnung. Bei INR 2 ist die Gerinnungszeit verdoppelt. Bei INR 3 ist die Gerinnungszeit verdreifacht. Es ist darauf zu achten, dass bei Vergleichsmessungen zwischen zwei Bestimmungssystemen Abweichungen auftreten können. Diese sind im INR-Bereich zwischen 2 und 3 geringer ( +/- 0,1 - 0,2), über INR 3 grösser. Dennoch bietet die ausschliessliche INR-Bestimmung eine grössere Sicherheit.

Es wäre somit wünschenswert, dass alle Herzklappen-Patienten und Ärzte bzw. Labore sich auf die Messeinheit »International Normalized Ratio« einstellen und diese verwenden.

Christian Schaefer, Ratingen (Juni 2002)