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Was beeinflusst die Gerinnungshemmer?

»Sie müssen nun lebenslang Gerinnungshemmer einnehmen.«

Diese Worte sind für viele Herzklappen-Patienten nach erfolgreicher Einpflanzung einer künstlichen Herzklappe zunächst sehr belastend. Was bedeutet das für mich? Bedarf es einer ständigen ärztlichen Kontrolle? Ist meine Lebensqualität eingeschränkt? Muss ich mit Nebenwirkungen rechnen? Diese Fragen stellt man nicht sofort, denn zunächst ist man mit sich selbst beschäftigt. Es ist wichtiger, »wieder auf die Beine zu kommen«. Spätestens mit Beginn der Rehabilitation jedoch treten diese Fragen auf.

Zunächst wird engmaschig kontrolliert
Die engmaschigen Gerinnungskontrollen während des »behüteten« Aufenthalts in der Rehabilitationsklinik sind notwendig, um festzustellen, wie stabil der INR-/Quick-Wert ist. Ruhe, Bewegungstherapie, auf Herzkranke zugeschnittene Mahlzeiten und nicht zu vergessen die Medikamente, die oftmals nach der Operation noch notwendig sind, beeinflussen die Wirkung des Gerinnungshemmers deutlich. Die Dosis des Gerinnungshemmers wird nach und nach angepasst, bis der »individuelle therapeutische Bereich« erreicht ist.
Im Abschlussbericht des betreuenden Arztes von der REHA-Klinik wird die derzeitige Erhaltungsdosis des Gerinnungshemmers aufgeführt, wobei der Hinweis erfolgt: »Medikation nach Quick bzw. INR«. Der Hausarzt, der den Abschlussbericht erhält, handelt dann entsprechend.

Wieder zu Hause
In der häuslichen Umgebung - umsorgt von der Familie - beeinflussen nun andere Faktoren das Leben. Liebte man vor der Herzklappenoperation ein quirliges Leben mit allem, was dazu gehört, wie deftiges Essen, Alkohol, Rauchen und unter Freunden sein, so bedarf die neue Herzklappe einer neuen Lebensweise. Diese Lebensweise muss gefunden werden.
Der Schritt von der REHA zum Alltag hin beeinflusst anfangs auch die Wirkung des Gerinnungshemmers, so dass in den ersten Wochen daheim der INR-/Quick-Wert engmaschig kontrolliert werden sollte.
Gehört man zu denjenigen, die die Gerinnungs-Selbstkontrolle während ihres Aufenthalts in der REHA-Klinik oder schon vorher im Herzzentrum erlernt haben, stellt man bei den ersten selbständig zu Hause durchgeführten eigenen Gerinnungskontrollen fest, dass der »individuelle therapeutische Zielbereich« nicht immer erreicht wird. Und dass dieses anfangs verunsichert, ist verständlich. So wie das Herz viele Monate benötigt, sich an die neue Herzklappe zu gewöhnen, d. h. sich den »normalen« Gegebenheiten wieder anzupassen, so muss sich der Organismus an die tägliche Gabe des Gerinnunghemmers »gewöhnen«.

Die Wirkung Vitamin-K-haltiger Ernährung wird überschätzt
Die Beeinflussung Vitamin-K-haltiger Ernährung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich gibt es - und dieses wird während des REHA-Aufenthaltes gelernt - eine Reihe von Gemüsesorten mit hohem Vitamin-K-Gehalt; auch tierische Innereien, z. B. Leber, haben einen hohen Vitamin-K-Gehalt. Aber wer isst schon täglich tellerweise Sauerkraut mit Hähnchenleber?

Jedes zusätzlich verordnete Medikament beeinflusst die Wirkung des Gerinnungshemmers
Es sind die anderen Dinge, die den Gerinnungshemmer beeinflussen. Dazu gehören in allererster Linie Medikamente; aber auch erhöhter Alkoholgenuss und das Rauchen sowie sehr fettreiche Ernährung verbunden mit Fettleibigkeit. Krankheiten, wie z. B. Diabetes mellitus, sind ebenfalls ein Einflussfaktor.
Es gibt Medikamente, die beeinflussen den Gerinnungshemmer so, dass seine Wirkung verstärkt wird. Der INR-Wert steigt an. Andere Medikamente vermindern die Wirkung des Gerinnungshemmers. Der INR-Wert sinkt. Und das kann fatale Folgen haben. Auf der einen Seite kann es zu vermehrten Blutungen kommen und auf der anderen Seite zu Gerinnselbildungen.

Daher folgende Ratschläge:

- Sobald Ihnen ein Medikament verschrieben wird, bestimmen Sie anfangs engmaschig den INR-/Quick-Wert! Wenn Sie denINR-/Quick-Wert nicht selbst kontrollieren, verkürzen Sie die Zeit zwischen den sonst üblichen Kontrollen beim Arzt.

- Lassen Sie sich nicht verunsichern durch Gespräche mit anderen Herzklappen-Patienten. Jeder Mensch reagiert anders auf die Gabe von Medikamenten!

Aber auch freiverkäufliche Medikamente sowie Mulitvitamin-Präparate bzw. -Getränke können den Gerinnungshemmer beeinflussen. Informieren Sie Ihren Arzt über das, was Sie einnehmen. Nur so kann er Rückschlüsse ziehen, wenn bei der durch den Arzt durchgeführten Gerinnungskontrolle die INR-/Quick-Werte nicht im »individuellen therapeutischen Zielbereich« liegen.
Haben Sie Ihren persönlichen Lebensrhythmus gefunden, und führen Sie die Gerinnungskontrolle selbst durch, dann passen Sie die Erhaltungsdosis des Gerinnungshemmers Ihren Lebensgewohnheiten an. Bedenken Sie, dass die Wirkung von Marcumar verzögert eintritt, d. h. dass die Wirkung erst nach ca. 36 Stunden erfolgt. Wichtig ist nur eines: Ihr INR-/Quick-Wert muss sich im vorgegebenen individuellen therapeutischen Bereich bewegen!
Und sollte eine Geburtstagsfeier anstehen, es in den Urlaub gehen, oder Weihnachten steht mit all seinen leiblichen Genüssen vor der Tür, so geniessen Sie dieses. Sie werden feststellen, dass durch engmaschige INR-/Quick-Wert-Kontrollen und ggf. Anpassungen des Antikoagulantes grosse Schwankungen in der Gerinnung nicht auftreten werden. Wichtig ist nur, dass Sie ein ausgeglichenes Leben führen.

Christian Schaefer, Ratingen;
Beratung: PD Dr. med. Heinrich Körtke†

(Juni 2002)