Empfängnisverhütung bei Frauen, die Gerinnungshemmer einnehmen

Einschränkung der Lebensqualität durch verstärkte Monatsblutung
Etwa 70% der Frauen, welche Vitamin-K-Antagonisten (VKA) einnehmen (z.B. Marcumar®, Falithrom®, Sintrom®, Coumadin®) weisen eine verstärkte Monatsblutung auf. In der Folge leiden zusätzlich etwa 30% dieser Frauen unter chronischem Eisenmangel mit den hierfür typischen Beschwerden wie Leistungsknick, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Haarausfall, Infektanfälligkeit, um nur die häufigsten Symptome zu nennen. Dies kann zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen.

Wichtig ist die richtige Empfängnisverhütung
Ferner ist auf eine sichere Empfängnisverhütung zu achten, da eine Schwangerschaft während der Einnahme von Gerinnungshemmern in ca. 15 % der Fälle zu Fehlbildungen beim Kind führen kann. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn Gerinnungshemmer zwischen der 6. bis 9. Schwangerschaftswoche durchgehen eingenommen werden.
Für Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, stehen im Grunde genommen alle, auch hormonelle Verhütungsmethoden zur Verfügung. Zwar erhöht die Einnahme insbesondere von östrogenhaltigen Antibabypillen das Thromboserisiko deutlich, jedoch bietet eine gut eingestellte Behandlung mit Gerinnungshemmern einen ausreichend Schutz hiergegen.
Folgende Verhütungsmethoden bieten eine besonders gute Kontrolle, d.h. Verminderung der Monatsblutung (fragen Sie bezüglich der Wirkstoffe Ihren Frauenarzt):

  • Sog. Ovulationshemmer (östrogenhaltige Antibabypillen, die den Eisprung verhindern). Hier haben wir sehr gute Erfahrung bzgl. der Blutungskontrolle mit dem Wirkstoff Dienogest oder ähnliche Substanzen.
  • Rein gelbkörperhormonhaltige Antibabypillen mit dem Wirkstoff Desogestrel führen bei vielen Frauen zu einem kompletten Stopp der Monatsblutung, da die Schleimhaut nicht mehr aufgebaut wird. Es gibt jedoch auch Frauen, die dauernde leichte Schmierblutung insbesondere zu Beginn der Einnahme beschreiben.
  • Die Einlage einer hormonhaltigen Spirale führt bei etwa 20 % der Anwenderinnen zu einem völligen Fehlen der Monatsblutung, bei den meisten anderen zu einer deutlichen Verringerung. Auch hier sind in seltenen Fällen Schmierblutungen möglich.
  • Neuere Verhütungsmethoden wie vaginale Freisetzungssystem und Pflaster sind bzgl. des Einflusses auf die Monatsblutung nur wenig untersucht, Schmier- und Durchbruchsblutungen sind wohl ebenfalls möglich.
  • Bei Frauen, deren Familienplanung abgeschlossen ist, kann auch eine Stilllegung der Gebärmutterschleimhaut durch einen kleinen Eingriff (sog. Endometriumablation) oder ggf. auch eine operative Entfernung der Gebärmutter diskutiert werden.
  • Auch eine Sterilisation, bei der Patienten oder beim Partner, mag bei abgeschlossener Familienplanung im Einzelfall denkbar sein. Die Stärke der Monatsblutung ändert sich hierdurch jedoch nicht.


Bei starker Monatsblutung auf den Eisenwert achten
Frauen, die unter der Einnahme von Gerinnungshemmern eine starke Monatsblutung haben (>5 Tage, häufiger Wechsel der Hygieneartikel alle 2 Stunden und kürzer. Durchbluten der Kleidung bzw. nächtliches Einbluten des Bettes) sollten sich nicht scheuen, dieses Problem unbefangen bei ihrem Frauenarzt anzusprechen und gemeinsam hierfür eine Lösung zu finden. Außerdem sollte auf den Eisenspeicherwert (Ferritinwert) geachtet werden. Wir empfehlen die Kontrolle dieses Wertes alle ca. 3 bis 6 Monate je nach individueller Problematik.
Im Falle eines Eisenmangels sollten Eisentabletten oder auch Eiseninfusionen gegeben werden. (Ihr Frauenarzt wird Sie entsprechend beraten.)

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker bei der Auswahl der Schmerzmittel
Auf die Einnahme von Schmerzmitteln während der Monatsblutung, die den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) enthalten, sollte natürlich generell verzichtet werden. Tückisch hierbei ist, dass vielen Patientinnen nicht klar ist, welche Wirkstoffe in den einzelnen Schmerzmitteln enthalten sind.
Bitte machen Sie sich also die Mühe, hier genau im Beipackzettel nachzuschauen und sich ggf. vom Apotheker beraten zu lassen.
Gute Alternative bei Monatsbeschwerden: Ibuprofen (je nach Beschwerstärke 200 bis 800 mg) welches die Monatsblutung nicht verstärkt und gut wirksam ist. Zudem verändert Ibuprofen bei sporadischer Einnahme den INR-Wert nicht.

Dr. med. Hannelore Rott, Fachärztin für Transfusionsmedizin, Gerinnungszentrum Rhein Ruhr, Königstr. 13, 47051 Duisburg; (Nov. 2009)