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Welche Gerinnungshemmer gibt es, und wie wirken sie?

In Deutschland werden lang und kurz wirkende Gerinnungshemmer (Cumarinderivate) angeboten. Die Substanz Phenprocumon (langsam wirkend) wird in Deutschland am häufigsten zur Gerinnungshemmung verwendet (Marcumar, Falithrom, Marcuphen und Phenpro-ratiopharm). Die Substanz Warfarin (Coumadin, Sintrom [Schweiz und Österreich]) wirkt kurz.
Der Unterschied zwischen lang- und kurzwirkenden Gerinnungshemmern liegt in der Abbauzeit in der Leber, d. h. langwirkende Gerinnungshemmer werden langsamer in der Leber abgebaut. Die verlängerte Blutungszeit aufgrund der Einnahme von Gerinnungshemmern normalisiert sich beim Absetzen der kurzwirkenden Gerinnungshmmer innerhalb weniger Tage, wohinhingegen bei den langwirkenden Gerinnugshemmern die Normalisierung mehrere Tage benötigt. Der Nachteil kurzwirkender Gerinnungshemmer sind die stärkeren Schwankungen der Gerinnungswerte. Jegliche spontane Lebensänderung (z. B. Einnahme von Medikamenten, Urlaub, plötzlicher Stress, vermehrte Aufnahme Vitamin-K-haltiger Ernährung, Alkohol) wirkt sich auf die Blutgerinnung sofort aus. eine engmaschigere Gerinnugskontrolle ist daher notwendig. Die Dosisanpassung ist schwieriger zu handhaben. Eine gleichmässigere Einstellung der Gerinnungswerte lässt sich durch langwirkende Gerinnungshemmer besser erreichen.

Wir wirken Cumarinderivate?
Bei Verletzungen, die bluten, kann man feststellen, dass der Blutstropfen bald gerinnt, d. h. er verfestigt sich. Dieser Gerinnungsvorgang ist notwendig, damit sich die Wunde schnell schliesst. Im Innern des Körpers geschieht dies ebenso, d. h. die verletzten Blutgefässe ziehen sich zusammen, die Blutplättchen (Thrombozyten) verkleben miteinander und im Blut gelöste Eiweissstoffe (Fibrinogen) gerinnen. Das Fibrinogen wird in das unlösliche Fibrin umgewandelt und die Blutstillung ist damit eingeleitet.
Um die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabzusetzen, gibt es nun den Gegenspieler des Vitamin K - die Cumarinderivate. Diese führen zu einem verminderten Aufbau (Synthese) der Gerinnungsfaktoren. Es kommt zu einer Verlängerung der Gerinnungszeit.
Somit ist die Einnahme von Cumarinderivaten erklärlich, denn durch die gewollt herbeigeführte Verlängerung der Gerinnungszeit wird das Anlagern eines möglichen Gerinnsels an der Herzklappe verhindert.
Aber auch die unterschiedlichen Strömungsgeschwindigkeiten des Blutes bei Herzrhythmusstörungen oder bei einer vergrösserten Herzkammer (sehr oft nach erfolgter Herzklappenoperation) bedürfen einer Heraufsetzung der Gerinnungszeit, um eine mögliche Blutgerinnung zu vermeiden. (Betrachten wir einen Bach. Das Wasser fliesst in unterschiedlicher Geschwindigkeit. In der Mitte des Baches schneller - am Bachrand langsamer.)

Dr. med. Wolfgang Prohaska, Herzzentrum NRW, Bad Oyenhausen.

(Juni 2006)