Welches Wissen haben wir nach erfolgter Schulung zum Gerinnungs-Selbstmanagement?

Die Umfrage hatte zum Ziel Langzeitergebnisse in einer ambulanten Schulungseinrichtung zum Erlernen des Gerinnungs-Selbstmanagements in den Jahren 2004 bis 2007 in Bezug auf medizinische Grundlagen- und Gerätewissen geschulter Patienten zu analysieren.

Hintergrund:
Zielsetzung unserer Arbeit war die Überprüfung des in unseren INR Schulungen erlernten Wissens im Zeitraum von 3 Jahren. Dazu verglichen wir demographische Grundlagen (Geschlecht/Alter/Zeitraum) mit medizinischem Wissen und Gerätekenntnissen. Bezüglich der Gerätschaften unterschieden wir nach dem älteren Modell CoaguChek S® (Schulungszeitraum 1/04-1/06) und Modell CoaguChek XS® (Schulungszeitraum 2/07-10/07). Zusätzlich verglichen wir auch die Selbsteinschätzung unserer Patienten in Bezug zu Ihrem realen Wissen. Es ergaben sich für uns 6 Fragestellungen, aus denen wir zum Thema Langzeiterfahrung geschulter Patienten konkrete Ergebnisse auswerten wollten.

Methoden:
Alle 180 geschulten Patienten aus den Jahren 2004 - 2007 wurden von uns mit einem anonymisierten Fragebogen und Begleitbrief angeschrieben. Die insgesamt 15 gestellten Fragen gliederten sich in vier Blöcke: statistische Daten, medizinisches Grundlagenwissen, Gerätekenntnisse, sowie Selbsteinschätzung der Patienten zu den letzten 2 Punkten. Antwortmöglichkeiten bestanden im Ankreuzverfahren und Eingabe von Freitext.

Ergebnisse:
138 Fragebögen erhielten wir in dem festgelegten Zeitraum (14 Tage) zurück, welche alle auswertbar waren. Die Antwortquote lag somit bei 76,7%.

Fragestellung 1: In welchem Bereich ist allgemein das erlernte Schulungswissen antikoagulierter Patienten besser (medizinisches Grundlagenwissen (MW) / Gerätewissen (GW) der Gerinnungsmonitore )?
Antwort: Im medizinischen Grundlagenwissen.

Fragestellung 2:
Gibt es Wissensunterschiede in Abhängigkeit vom Alter (Altersgruppen 35-60 Jahre/61-85 Jahre)?
Antwort: Ja. In der Altergruppe 35-60 J. ist das Gerätewissen besser, in der Altersgruppe 61-85 J. das medizinische Grundlagenwissen.

Fragestellung 3: Gibt es Wissensunterschied in Abhängigkeit von Schulungszeitraum und Gerätemodell?
Antwort: Ja. Im Zeitraum Jan.04-Jan.06 betrug die Quote der richtigen Antworten im GW 45,3%; im Zeitraum Feb. 06-Okt.07 48,7%.

Fragestellung 4: Haben bereits bestehende Erfahrungen mit Gerinnungshemmern der Patienten zum Zeitpunkt der Schulung Einfluss auf das theoretische Langzeitwissen?
Antwort: Ja, bei Patienten mit ein- bis fünfjähriger Erfahrung im Umgang mit Gerinnungshemmern.

Fragestellung 5: Wie verhält sich die Selbsteinschätzung der Patienten beim theoretischen Grundlagenwissen in Bezug zu ihrem realen Wissen?
Antwort: Der prozentuale Anteil falscher Antworten beträgt bei einer hohen Selbsteinschätzung zum MW 80%.

Fragestellung 6: Wie verhält sich die Selbsteinschätzung der Patienten beim Gerätewissen/Handhabung des Gerätes in Bezug zu ihrem realen Wissen?
Antwort: Der Anteil falscher Antworten zum GW beträgt bei einer hohen Selbsteinschätzung 100%.

Schlussfolgerungen
Die Auswertungen zeigen, dass unsere Schulungen von allen Patienten angenommen und im hohen Maße verinnerlicht wurden. Für uns war sehr interessant zu sehen, dass die Fragebögen sehr akribisch beantwortet wurden. Ein Lerneffekt wird unabhängig vom Alter und Schulungszeitraum bestätigt, jedoch ist anzumerken, dass ältere Patienten (ab 61 Jahren) in unserer Auswertung mehr Fragen zum Gerätewissen falsch beantwortet haben. Dies führen wir in dieser Altersgruppe auf allgemeine Probleme in der Bedienung von technischen Geräten zurück, was sich auch in unseren Schulungen bestätigt. Im Gegenzug hat diese Altersgruppe Fragen zum medizinischen Grundlagenwissen besser beantwortet als die jüngeren Patienten (35-60 Jahre). Wir vermuten, auch durch unsere Erfahrungen bestätigt, dass hier die jüngeren Patienten die Schulung als schnell und leicht erlernbar ansehen, sich demzufolge eher überschätzen. Schulungen bei bereits länger bestehenden Erfahrungen mit Gerinnungshemmern sind für das Langzeitwissen förderlich.

Sandra Balthaus, Andrea Skwar
Kardiologische Gemeinschaftspraxis Dinslaken
Dres. med. S. Motzer, J.H. Wirtz, K.H. Schmitz, C. Raters (Juni 2008)

Abbildung: Sandra Balthaus und Adrea Skwar von der kardiologischen Gemeinschaftspraxis Dinslaken vor ihrem Poster anlässlich der 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie am 28. März 2008 in Mannheim.