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Überbrückung mit Heparinen: Mehr Sicherheit für den Patienten

Wir, die wir Gerinnungshemmer einnehmen, kommen hin und wieder in die Lage, den Gerinnungshemmer absetzen zu müssen. Der Grund sind Operationen oder bei blutungsträchtigen Eingriffen. In diesen Fällen ist eine überbrückende Antikoagulation mit Heparinen notwendig. In der Fachsprache „Bridging“. Unterschieden wird zwischen hohen bis niedrigen Thromboembolierisiko sowie hohen bis niedrigen Blutungsrisiko. Ein hohes Thromboembolierisiko beinhaltet z.B. der Herzklappenersatz mit Vorhofflimmern. Und ein hohes Blutungsrisiko besteht bei einer Tumorchirurgie oder urologischem Eingriff. Diese Risiken sind bei jeder Krankheit unterschiedlich hoch. Es gibt aber auch ein individuelles Blutungsrisiko eines jeden Patienten.
Wenn nun der Gerinnungshemmer abgesetzt wird, besteht aufgrund der langen Halbwertszeit (drei und mehr Tage) von Phenprocoumon kein gerinnungshemmender Schutz mehr. Und hier setzt nun die Überbrückung mit Heparinen ein, um ein mögliches thromboembolisches Ereignis zu verhindern.
Doch wie ist die Vorgehensweise? Der Patient kommt zumeist unangemeldet vor einem geplanten chirurgischen Eingriff und mit wenigen Informationen versehen  in seine Hausarztpraxis. Der Hausarzt wird ihn vorsorglich zum Facharzt überweisen. Die Nachteile, die für den Patienten entstehen sind, dass im laufenden Praxisbetrieb wenig Zeit für eine Beratung zur Verfügung steht. Das bedeutet lange Wartezeit. Hinzu kommt, dass nur wenige Informationen über den geplanten Eingriff vorliegen und der Facharzt oftmals keinen persönlichen Kontakt zum Operateur hat. Und auf Grundlage dessen soll nun mit der überbrückenden Antikoagulation begonnen werden.
Das Ziel wäre eine spezielle Sprechstunde in der der Patient umfassend über die überbrückende Gerinnungshemmung beraten wird. Der Operateur stellt ein Computergestütztes Formular aus in dem Diagnose, der OP-Termin, die OP-Art, das Blutungsrisiko und die Ziel INR aufgeführt sind. In der Spezialsprechstunde wird dann der Gerinnungsstatus ermittelt, die aktuelle Medikamenteneinnahme erfasst, Berichte früherer OP’s hinzugezogen und gegebenenfalls die Endokarditis-Prophylaxe mit berücksichtigt. Danach wird ein individueller Plan festgelegt, wie und wann mit der Überbrückung mit Heparinen begonnen wird, welche Kontrolltermine notwendig sind und wie gespritzt wird.

Herzlichst Ihr
Christian Schaefer (September 2008)