Gerinnungshemmung und die erbliche Veranlagung

Warum benötige ich so wenig und andere so viel an Gerinnungshemmern?
Die zwei wichtigsten Faktoren für die Wirksamkeit und Sicherheit der Gerinnungshemmung sind die richtige Dosierung und das Einhalten des therapeutischen Bereichs.

Wie wird die Wirksamkeit beeinflusst?
Die Wirksamkeit des Gerinnungshemmers wird jedoch durch Lebensvorgänge und Wechselwirkungen (physiologische und pharmakologische Faktoren) beeinflusst. D. h. Krankheiten oder Medikamente beeinflussen die Gerinnungshemmer bei der Umwandlung in der Leber und dem Ausscheiden. Diäten oder den Magen und Darm betreffende (gastrointestinale) Faktoren beeinflussen die Verfügbarkeit des Vitamin K1. Alles mündet letztendlich in der richtigen Einschätzung des Arztes, die entsprechende Dosierung festzulegen.1)
Man hat nun herausgefunden, dass auch eine genetische Vielgestaltigkeit (Polymorphismus) in dem Gen VKORC1 zu verschiedenen Reaktionen führt. So gibt es Patienten, die eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber dem Gerinnungshemmer haben, andere Patienten hingegen eine teilweise Abwehr gegenüber dem Gerinnungshemmer aufweisen. Aber es gibt auch ethnische Unterschiede. Hier hat sich gezeigt, dass Chinesen einen geringen Bedarf an Gerinnungshemmer, Afrikaner hingegen eine höhere Dosierung des Gerinnungshemmer, benötigen.
Die VKORC1-Genvarianten erklären damit etwa 40 % der Veränderlichkeit im notwendigen Bedarf an Gerinnungshemmern. Diese Information kann möglicherweise zu einer verbesserten individuellen Dosierung des Gerinnungshemmers führen. Hinzu kommen noch das Alter, Geschlecht sowie die Vielgestaltigkeit des Enzyms CYP2C9 des Zytochroms P450.
Ziel muss es sein, eine Über-Antikoagulation bei Beginn der Behandlung mit Gerinnungshemmern mit all seinen möglichen Folgen, wie Blutungen zu vermeiden.2)

Die tägliche Dosis bestimmt den therapeutischen Bereich.
Engmaschige INR-Kontrollen zu Beginn der Therapie sind daher zwingend notwendig. Sehr schnell lässt sich damit herausfinden, ob der antikoagulierte Patient mehr oder weniger an Gerinnungshemmern benötigt.
Es ist erstaunlich, was alles die Wirksamkeit des Gerinnungshemmers und den Bedarf an Gerinnungshemmern beeinflusst.
Einerseits das, was wir vererbt bekommen haben, andererseits das Leben, was wir führen.
Faktoren, die die Wirksamkeit des Gerinnungshemmers beeinflussen können, sind vielfältig wie z. B. Alter, Geschlecht, Krankheiten, Medikamente, unsteter Lebenswandel, aber auch das Reisen, der Alkohol, die Diäten, der Stress und vielleicht auch der plötzliche Heißhunger auf Sauerkraut.

Es heißt, das künstlich neu geschaffene Gleichgewicht stabil zu halten.

Die Blutgerinnung ist ein Vorgang, der uns einerseits schützt, andererseits sehr gut ausbalanciert sein muss, um mögliche Komplikationen zu verhindern. Damit das künstlich geschaffene neue Gleichgewicht stabil bleibt, sind regelmäßige Kontrolle der INR-Werte und entsprechende Dosisanpassungen des Gerinnungshemmers notwendig.3)

1)    Jack Ansell, MD, anticoagulation news, 2006; 3: 4
2)    J. Oldenburg, MD, J Thromb Haemost, 2007; 5 (Suppl. 1):1-6
3)    Wolfgang Prohaska, MD, Die Gerinnung, 2006; 25: 8-10


Verfasser: Christian Schaefer, Ratingen

Wie groß ist Ihr Wochenbedarf an Phenprocoumon?
Auf der Website www.die-thromboseneigungen.de fragen wir derzeit wie viel mg Phenprocoumon Patienten pro Woche einnehmen. Anhand des vorläufigen Ergebnisses (n= 1165) lässt sich unschwer erkennen, wie unterschiedlich der Wochenbedarf ist. Von 9 mg Phenprocoumon bis zu mehr als 33 mg Phenprocoumon. Hier zeigt die Bandbreite sehr deutlich, dass antikoagulierte Patienten unterschiedlich auf die Wirksamkeit von Gerinnungshemmern reagieren.