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Tätowierungen und Kernspintomographie (MRT)


Seit tausenden von Jahren gibt es Tätowierungen, heutzutage auch häufig aus kosmetischen Gründen sog. Permanent-Make-up (Augenbrauen, Lippen) und Augen-Make-up. Einersets zur Dekoration eingesetzt kann es andererseits auch zur ästhetischen Korrektur postoperativ eingesetzt werden (z.B. Brustwarzenkorrektur). Der Trend der gesellschaftsfähigen Körperkunst scheint zwar rückläufig, aber immer mehr Menschen stehen dazu. Durch die vielen kleinen Stiche mit Tinte kann die Berührungsempfindlichkeit  der Haut abnehmen.
Die Kernspintomographie oder Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein seit über 20 Jahren routinemäßig, zunehmend eingesetztes bildgebendes Verfahren, das Magnetfelder, also keine Röntgenstrahlen, zur Bildgebung nutzt. Mit diesen teuren röhrenartigen Großgeräten kann nahezu jede Körperstruktur wie Gehirn, Wirbelsäule, Abdomen, Brustkorb, Gefäße usw. nach gezielter ärztlicher Fragestellung beurteilt werden. Zunehmend gelingt es auch mit hochmodernen Geräten dreidimensionale Bilder des bewegten Herzens darzustellen, wobei die Stärke der Magnetfelder immer mehr zunimmt. Gemessen wird diese in der physikalischen Einheit Tesla, wobei insbesondere 1,5- und 3,0-Tesla-Geräte für die Untersuchung am Herzen geeignet sind. Die Magnetfeldstärke übertrifft das Erdfeld bei 0,5 Tesla um das 10.000fache. Kleine metallische Objekte, wie z.B. Büroklammern, können im Gerät Geschwindigkeiten bis 65 km/h erreichen.
Die Verwirrung war groß, ob Patienten mit Tätowierungen oder Permanent-Make-up sich überhaupt grundsätzlich einer Kernspinuntersuchung unterziehen können.
Die Pigmente machen zum einen Artefakte in den Bildern - also vor einer Untersuchung nicht Schminken für den Arzt! - , zum anderen relativ umschriebene und  nur kurzfristige Hautreaktionen. In einer Gruppe von über 1000 Untersuchungen waren 13,1% tätowiert, nur 2 (1,5%) berichteten von kurzen Beschwerden wie „Brennen“  oder „Kribbeln“. Weiterhin sind Hautschwellungen und Verbrennungen bis 2. Grades als Einzelfälle beschrieben.
Vor allem, wenn das Pigment ferromagnetisch ist, kann es zu Problemen kommen, da diese im Magnetfeld in Bewegung geraten und sich erwärmen. Dies gilt insbesondere für rote Farben, die Eisenoxid enthalten, und bei alten Tätowierungen über 20 Jahren. Aber auch Farben wie Blau oder Schwarz können Probleme machen. Auch ist damit zu rechnen, dass „frisch, gestochene“ Tätowierungen mit den Farben noch verlaufen können im Magneten.
Der Patient muss informiert sein, jede Missempfindung während der Untersuchung insbesondere im Bereich der Tätowierung umgehend dem Personal zu melden. Vielleicht vermag sogar eine Kühlkompresse oder ein Icepack während der Untersuchung kurzfristig helfen, vermutlich ist auch eine Bandage oder ein Druckverband zur Hautimmobilisierung zweckmäßig. Die Möglichkeit, den Patienten mit seinem Tatoo parallel zu den Magnet-Linien zu lagern,  scheint doch sehr theoretisch, die „Kunstwerke“ sollten jedoch zumindest keinen Kontakt mit aufgelegten Spulen haben und auf Distanz gehalten werden.
Schlimmstenfalls ist mit dem Arzt eine Alternativmethode zum MRT zu besprechen.
Somit sind Probleme sehr selten zu erwarten und grundsätzlich die Untersuchung nach Aufklärung und Dokumentation möglich, wenn der Patient nach Tatoos, Make-up, Colorierung usw. am gesamten Körperbereich gefragt wurde. Die Untersuchung abzusetzen und einen Befund zu übersehen scheint gefährlicher als die theoretisch möglichen Komplikationen.
Für Patienten unter Antikoagulation darf die Blutungsproblematik beim Stechen nicht unerwähnt bleiben. Erfahrungswerte hierzu gibt es bisher nicht. Nach Klappenersatz ist sicher auch eine entsprechende Endokarditis-Prophylaxe nach Arztrücksprache nicht zu vergessen. Immer sollte ein seriöser Anbieter für Tätowierung ausgewählt werden.
Dr. med. Karl-Heinz Schmitz, Dinslaken (September 2008)