Mangelnde Therapietreue

Kürzlich nahm ich an einer Pressekonferenz teil in der es um die Bereitschaft ging, zuverlässig verordnete Medikamente einzunehmen. Die Studie die vorgestellt wurde bezog sich auf Frauen mit einer Brustkrebserkrankung. Während der Konferenz wurde mir klar, dass es man die ermittelten Ergebnisse letztendlich auf alle Krankheiten übertragen kann. Prof. Dr. R. Kreienberg, Ulm: „Wir müssen anerkennen, dass mangelnde Therapietreue in der Tat unseren Patienten schadet und dass jeder dritte Patient sich nicht ausreichend informiert fühlt.“

Doch wie kann man eine gute Verständigung zwischen Arzt und Patient herbeiführen? Einerseits ist die Zeit des Arztes knapp bemessen, andererseits muss sich der Arzt fragen: „Hat mein Patient in der Kürze der Zeit alles richtig verstanden?“ Bleibt es beim Ausstellen eines Rezeptes ohne genau zu beschreiben, welche Wirkung und auch Nebenwirkung das Medikament verursacht, sind Therapieabbrüche vorprogrammiert. Liest dann der Patient die im Beipackzettel aufgeführten möglichen Nebenwirkungen, ohne vom Arzt darauf vorbereitet zu sein, kann man sich schon vorstellen, dass manche Patienten die Einnahme unterlassen. In den USA werden aufgrund dessen ca. 50 % der Behandlungen vom Patienten abgebrochen. Der Arzt sollte sich fragen: „Was führte zum Abbruch der Behandlung und welche Fehler habe ich gemacht?“ Wer seitens des Arztes überzeugt wird und an die Wirkung wie auch die möglichen Nebenwirkungen der Medikamente akzeptiert, ändert somit sein Verhalten gegenüber der eingeleiteten medikamentösen Behandlung - sei es auch mit Gerinnungshemmern. Wichtige Voraussetzung ist eine eigene positive Haltung zur Erkrankung.
Wenn das geplante Versorgungsmodell der AOK in Hessen zum Einsatz kommen soll, dann erhalten Ärzte einen zusätzlichen Bonus wenn die Laborwerte ihrer Patienten in einem bestimmten Wertebereich liegen. Vielleicht ein Ansatz für mehr Therapietreue.

Herzlichst Ihr Christian Schaefer
(Jan. 2008)