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Vitamin-K-Antagonisten und Leberwerte

Sind Medikamenten-Nebenwirkungen häufig ?

Unerwünschte Wirkungen in Zusammenhang mit einer medikamentösen Therapie sind häufig und von unterschiedlicher Ausprägung. Wenn unerwünschte Wirkungen auftreten, kommt es durch Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin zu einer Abwägung zwischen Notwendigkeit der medikamentösen Behandlung einerseits und Art und Intensität der Nebenwirkung andrerseits. Dabei muss beachtet werden, dass auch mit Placebo (einem Präparat, das wie das Medikament aussieht, aber keinen Wirkstoff enthält) immer wieder so genannte Nebenwirkungen auftreten. Dies zeigt, dass nicht jede "Nebenwirkung" durch das Medikament bedingt ist, sondern eben auch durch auch sonst auftreten kann. Zudem ist es wichtig, im Falle von "medikamentösen" Nebenwirkungen auch an andere Krankheiten zu denken, die die Störung, eben z.B. die Leberwerterhöhung, auslösen könnten.


Gibt es unter Phenprocoumon eine Erhöhung der Leberwerte?

Im Rahmen einer Blutverdünnung mit Coumarinen (Phenprocoumon, Warfarin oder Acenocoumarol) kann es tatsächlich zu einer Erhöhung der Leberwerte kommen. Man unterscheidet je nachdem welche Leberparameter ansteigen, den hepatischen, cholestatischen oder gemischten Reaktionstyp. Beim hepatischen Typ steigen praktisch nur die Transaminasen ALAT und ASAT an, welche einen Zerfall von Leberzellen anzeigen. Beim cholestatischen Typ kommt es im Wesentlichen zu einer Abflusstörung der Galle innerhalb der Leber, weshalb die Patienten je nach Ausprägung eine Gelbsucht bekommen. Der gemischte Typ ist eine Kombination von Cholestase und Hepatitis.

Was bewirkt Marcumar®/Marcoumar® an der Leber ?

Bei Warfarin, welches der meist verwendete und best untersuchte Vitamin-K-Antagonist in den USA ist, trat die Erhöhung der Leberwerte in den meisten Fällen innerhalb der ersten 6 Monate nach Beginn einer Antikoagulation auf. Es wurden aber auch Fälle beobachtet, in denen eine milde Leberentzündung erst nach über einem Jahr aufgetreten ist. Es werden deshalb verschiedene Gründe als Ursache für diese Störung angenommen: allergische Reaktion (dosisunabhängig) oder toxische Wirkung (dosisabhängig).
Ein milder Anstieg der Leberwerte auf das zwei- bis dreifache des oberen Normwertes tritt relativ häufig auf. Die Störung wird meist durch Zufall entdeckt und von den Patienten nicht wahrgenommen. In vielen Fällen normalisieren sich die Leberwerte nach einigen Wochen spontan. Ihr betreuender Arzt oder betreuende Ärztin wird darüber entscheiden, ob die medikamentöse Therapie unter Beobachtung fortgesetzt wird oder ob weitere Abklärungen durch einen Spezialarzt notwendig sind. Grundsätzlich ist ein Absetzen des Medikamentes nicht zwingend notwendig. Es sollten aber andere Gründe für einen Anstieg der Leberwerte gesucht werden.

Wann macht eine Leberwerterhöhung Beschwerden ?

Eine stärkere Erhöhung der Leberwerte ist typischerweise mit Symptomen wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Gelbsucht, Durchfall und allgemeines Unwohlsein verbunden. Da eine Leberentzündungen meist eine Entgleisung des INR-Wertes zur Folge hat, nimmt auch das Risiko für eine Blutung zu. Bei Auftreten von den genannten Symptomen sollte ein oral antikoagulierter Patient deshalb dringend den Hausarzt oder die Hausärztin aufsuchen.

Was muss bei schwerer Leberwerterhöhung gemacht werden ?

Das Medikament wird wahrscheinlich gestoppt werden. Je nach dem Grund, weshalb Sie einen Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, muss auf eine andere Form von Blutverdünnung gewechselt werden. Dabei wird meist ein Heparin verwendet. Nach Normalisierung der Leberwerte kann ein Versuch mit einem anderen Coumarin unternommen werden. Selten gibt es jedoch eine so genannte Kreuzreaktion, d.h. dass nach Normalisierung der Leberwerte unter dem anderen Medikament ein erneuter Anstieg auftritt. In einem solchen Fall muss die Blutverdünnung mit anderen Medikamentengruppen fortgesetzt werden.

Insgesamt kann man sagen, dass eine gefährliche Leberentzündung als Folge einer Coumarintherapie sehr selten ist. Deshalb sind häufige Messungen der Leberwerte bei konstant eingestellter oraler Antikoagulation und gutem subjektivem Wohlbefinden nicht notwendig.

Dr. med. P. Raddatz Müller, Abteilung Hämostasiologie und hämatologisches Zentrallabor, Kantonsspital, CH-6000 Luzern (Jan. 2007)