Was ist zu beachten, wenn unter Gerinnungshemmung eine „Diät“ begonnen wird ?


Zunächst muss näher betrachtet werden, was unter einer „Diät“ zu verstehen ist.
Das Wort „Diät“ ist an das englischen Wort „diet“ (= Kostform) angelehnt und bezeichnet dementsprechend ganz allgemein lediglich eine mögliche Form, seinen Speiseplan zu gestalten. Im Alltagsgebrauch wird das Wort „Diät“ in der Regel mit einer „Abnehmkur“ gleichgesetzt, was häufig eine einseitige Ernährung (z.B. Kartoffel-, Quark-, Apfel-Diät o.ä.) bedeutet. Von einem einseitigen Speiseplan, der über längere Zeit immer nur wenige Lebensmittel beinhaltet, ist generell abzuraten, unabhängig davon, ob Gerinnungshemmeer eingenommen werden.
Eine grundsätzliche und dauerhafte Umstellung der Ess- und Bewegungsgewohnheiten ist die einzige Möglichkeit, Übergewicht* langfristig erfolgreich abzubauen:
– Der Speiseplan sollte überwiegend aus (Vollkorn)getreideprodukten (Vollkornbrot, -reis, -nudeln), Kartoffeln, Obst und Gemüse bestehen.
– In Wurst, Fleisch, Fisch und Milchprodukten können sich viele „versteckte Fette“ befinden. Deshalb sind hier die fettarmen Varianten vorzuziehen.
– Sichtbare Fette wie Butter, Margarine, Öle etc. gehören weiterhin auf den Speiseplan (insbesondere hochwertige Pflanzenöle wie z.B. Raps- oder Olivenöl), allerdings sollte eine Menge von insgesamt zwei Esslöffeln pro Tag nicht überschritten werden.
– Kuchen, Süßigkeiten, Kartoffelchips etc. dienen einem gelegentlichen Genuss, gehören aber weder täglich noch in größeren Mengen auf den Speiseplan.
– Kalorienfreie Getränke wie Mineralwasser, ungezuckerte Tees und stark verdünnte Fruchtsäfte sollten die Hauptdurstlöscher sein.
Diese Empfehlungen dauerhaft umzusetzen und gleichzeitig die körperliche Aktivität  zu steigern (z.B. durch Spaziergänge, Schwimmen, Fahrradfahren etc.) ist die einzig Erfolg versprechende Strategie, um überflüssige Pfunde dauerhaft abzubauen.

Ist diese Umstellung auch für Patienten – die Gerinnungshemmer einnehmen – möglich ?
Auch ein Patient der Gerinnungshemmer einnimmt kann seinen Speiseplan dauerhaft umstellen. Zu beachten ist dabei allerdings, dass das Vitamin K, das sich vor allem in Obst und Gemüse (dabei besonders reichlich z.B. in Kohl und Sauerkraut) befindet, ein Gegenspieler zum Gerinnungshemmer ist. Eine plötzlich erhöhte Aufnahme an Obst und Gemüse kann sich deshalb auf den Gerinnungswert im Blut (INR-Wert) auswirken. Aus diesem Grund sollten folgende Empfehlungen beherzigt werden:
1. Stellen Sie Ihren Speiseplan allmählich um (bitte keine Umstellung von sehr wenig auf sehr viel Gemüse und Obst von einem Tag auf den anderen!). Lassen Sie sich ca. 2 bis 4 Wochen Zeit um allmählich Ihre täglich verzehrten Obst- und Gemüsemengen zu steigern (Fernziel sind 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag). Am Ende dieser Umstellungszeit sollten Sie die Mengen erreicht haben, die Sie dauerhaft regelmäßig (d.h. nahezu täglich) verzehren möchten.
Ein Beispiel: Sie haben bisher nur gelegentlich Obst und Gemüse verzehrt, hellem Brot, Reis und Nudeln den Vorzug gegeben und reichlich versteckte und sichtbare Fette auf dem Speiseplan gehabt. Sie stellen nun innerhalb von 3 Wochen auf Vollkornprodukte, fettärmere Fleisch- und Milchprodukte und 3-4 Portionen Obst und Gemüse pro Tag um. Beim Gemüse wählen Sie ca. einmal pro Woche eine Vitamin-K-reichere Sorte (z.B. Kohl) aus. Dieses „Grundgerüst“ (3-4 Portionen Obst und Gemüse pro Tag, dabei einmal pro Woche Kohl o.ä.) sollten Sie nun zukünftig beibehalten. Das heißt: von einer Umstellung dieser Art für nur wenige Tage ist dringend abzuraten ! Wenn sie sich für eine Umstellung entscheiden, sollte diese dauerhaft erfolgen !
2. Besprechen Sie im Vorfeld mit Ihrem Arzt und möglichst einer professionellen Ernährungsberatung**, dass Sie eine Umstellung Ihres Speiseplans vornehmen möchten und wie viel Zeit Sie sich dafür nehmen wollen. Vereinbaren Sie anschließend für diese Umstellungszeit eine engmaschigere Kontrolle des INR-Wertes (wie häufig Sie kontrollieren sollten, sollte Ihr Arzt entscheiden). Besprechen Sie während der Umstellungszeit mit Ihrem Arzt, wie die Dosis des Gerinnungshemmers an einen veränderten INR-Wert angepasst werden sollte. Ziel ist, dass die Dosis des Gerinnungshemmer am Ende der Umstellungszeit an Ihren neuen Speiseplan angepasst worden ist.

Fazit:
Eine Veränderung des Speiseplans (z.B. zur Verringerung des Körpergewichts) ist auch für Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, möglich. Die Umstellung sollte allerdings dauerhaft und unter engmaschiger Kontrolle des INR-Wertes erfolgen.

*Was ist Übergewicht ?
Der so genannte BMI (Body mass index) gibt Auskunft, ob Sie Normal- oder Übergewicht habe. Zur Ermittlung des BMI benötigen Sie allerdings einen Taschenrechner:
Nehmen Sie Ihre Körpergröße in Meter (z.B. 1,72 m) mit sich selber mal (1,72 x 1,72 = 2,96). Teilen Sie nun Ihr Köpergewicht (z.B. 90 kg) durch diese Zahl (90 kg : 2,96 = 30). Sollte die so errechnete Zahl unter 25 liegen, so ist Ihre Körpergewicht völlig in Ordnung. Bei 25 bis 30 sollten Sie beginnen das Gewicht zu reduzieren. Bei einem BMI ab 30 wird das Abnehmen dringend empfohlen. In dem angegebenen Beispiel liegt der BMI bei 30, so dass dringend zum Abnehmen geraten wird.

Verfasserin: Dipl.oec.troph. Susanne Scherer, Breidenbach

(Juli 2006)

**Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach einer professionellen Ernährungsberatung.