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Betr.: Vorsorgeuntersuchung

Bei mir steht eine Vorsorgeuntersuchung, voraussichtlich mit Darmspiegelung, an und in absehbarer Zeit muss auch der Herzschrittmacher (biatraler SM) gewechselt werden. Welche Vorsichtsmaßnahmen sind dazu bei einem Marcumar-Patienten (INR 2,0 bis 2,6) zu beachten?
Die Antikoagulanzienbehandlung ist wegen Vorhofflimmerns und rezidivierender Lungenembolien nach der Schrittmacherimplantation angezeigt. Außerdem lagen vor Behandlungsbeginn folgende Gerinnungswerte außerhalb des Normbereichs:
Antithrombin III. 72,51 %;
Akt.Prot.C-Sensivität: 1,30 APC-Ratio;
Protein S (funktionell): 39,00 %.

Unsere Antwort:
Der angestrebte INR-Bereich für Sie liegt bei 2,0 bis 3,0. Bei Darmspiegelung und SM-Wechsel muss  Marcumar® vorher gegen Heparin getauscht werden. Folgende Vorgehensweise: Marcumar® eine Woche vor dem Eingriff absetzen, dann täglich den INR-Wert bestimmen. Sobald der INR-Wert kleiner als 2,0 ist, Heparin spritzen. Dosis: 100 Anti-Ca-IE/kg Körpergewicht 1 x tgl. sub cutan eines niedermolekularen Heaprins, z.B. bei 70 kg 7000 Einheiten Fraxiparin(r) 1 x tgl. Unter bestehender Heparingabe können dann die Eingriffe erfolgen. Koordinieren Sie die Eingriffe so, dass Sie nicht zweimal umstellen müssen.
Nach den Eingriffen wieder mit Marcumar® (3-3-2 Tabletten) bei gleichzeitiger Gabe von Heparin. Sobald der INR-Wert größer als 2,0 ist, kein Heparin spritzen.
Bezüglich Ihrer Befunde ist das Augenmerk auf die pathologische APC-Resistenz zu richten. Dies bedeutet, dass Sie Träger einer angeborenen Thromboseneigung sind (sog. Faktur-V-Mutation Leiden). Dieses sollte mittels Genuntersuchung abgeklärt werden. Auch für Ihre Familie ist diese Untersuchung wichtig: Denn es besteht mindestens eine 50%ige Wahrscheinlichkeit für Eltern, Geschwister und eigene Kinder.
Die verminderte Protein S-Aktivität ist durch Marcumar® bedingt und nicht wichtig. Der Antithrombin-Spiegel ist allenfalls grenzwertig vermindert und somit in Ordnung.

Dr. med. Hannelore Rott, Fachärztin für Transfusionsmedizin; MVZ Labor Duisburg GmbH, Königstr. 53, 47051 Duisburg

 

Zunehmendes Alter

Seit 10 Jahren nehme ich Gerinnungshemmer wegen Vorhofflimmerns ein. Nach einer AV-Knoten-Ablation bin ich Schrittmacherträger. Meinen INR-Sollwert von 2 bis 3 erreiche ich zuverlässig mit der Einnahme von 1,5 Tabletten Phenprocoumon wöchentlich, d.h. ich nehme an sechs Tagen ¼ Tablette und am 7. Tag gar nichts ein.
Mit zunehmendem Alter werden die Hände zittriger, und das Sehvermögen lässt nach. Es macht mir zunehmend Schwierigkeiten, die kleine Tablette in vier Teile zu zerbrechen. Eine Anfrage beim Hersteller, ob es nicht möglich sein, den Wirkstoffgehalt einer Tablette auf ein Viertel zu reduzieren, erbrachte nur Unverständnis für mein Problem - aber keine Hilfestellung.
Da mein Körper sehr zögerlich auf die Einnahme bzw. das Absetzen von Phenprocoumon reagiert, überlege ich mir, ob ich nicht alle vier oder fünf Tage eine ganze Tablette schlucken sollte und dazwischen gar nichts (außer meinem üblichen Betablocker und Hypertonika). Wie ist Ihre Meinung dazu?
U.B., D.

Unser Antwort:

Sie sollten auf keine Fall umstellen auf eine Tablette alle vier Tage. Die gleichmäßige Wirkung und INR-Einstellung erreicht man eben am besten mit einer möglichst gleichmäßigen Einnahme.
Zu überlegen wäre, jeden zweiten Tag eine halbe Tablette zu nehmen unter INR-Kontrolle nach einer Woche.
Wir haben das Problem des sehr geringen Bedarfs an Gerinnungshemmern schon einmal bei Kindern mit Herzerkrankungen. Hier kann gegebenenfalls der Apotheker weiterhelfen, in dem aus den Originaltabletten durch „Verlängerung W Tabletten mit niedrigerer Wirkstoffdosis hergestellt werden. Sprechen Sie doch einmal mit Ihrem Apotheker darüber.

Dr. med. Hannelore Rott, Fachärztin für Transfusionsmedizin; MVZ Labor Duisburg GmbH, Königstr. 53, 47051 Duisburg (Sept. 2008)

Betr.: Haarausfall und Hörsturz

Seit vielen  Jahren nehme ich täglich ca. eine Tablette Phenprocoumon ein, um den empfohlenen INR-Wert auf 2,5 zu halten (permanentes Vorhofflimmern). Das gelingt mit der INR-Selbstbestimmung bestens. Bei der Einnahme von weiteren Medikamenten habe ich die Beobachtung gemacht, dass diese den INR-Wert beeinflussen können. So hat die vorübergehende Einnahme der Substanz Sulpirid (Schwindel) den INR-Wert in dem Maße beeinflusst, dass ich nur noch 1/2 Tablette Phenprocoumon täglich benötigte, um meinen angestrebten INR-Wert zu halten. Bei einer anderen Gelegenheit (jedoch ohne Sulpirid) konnte ich feststellen, dass Vitamin B, welches mir einmalig wegen eines Bandscheibenproblems injiziert wurde, den INR-Wert innerhalb kürzester Zeit auf 6 ansteigen ließ.
Die Fragen die sich daraus ergeben:
Ob die gerinnungshemmende Wirkung, die sonst alleine durch Phenprocoumon erzielt wird, voll erhalten bleibt, auch wenn der gewünschte INR-Wert durch die kombinierte Einnahme von Phenprocoumon zusammen mit anderen Medikamenten/Vitaminen/Nahrung erreicht wird?
Ob es möglicherweise ein Kombipräparat mit Phenprocoumon und Zusätzen wie Vitamin B gibt, mit dem man den angestrebten INR-Wert zuverlässig erreicht aber die unerwünschten Nebenwirkungen von Phenprocoumon verhindern kann?
Ob sich gegebenenfalls das gerinnungshemmende Mittel empfiehlt, welches in den USA verschrieben wird. Der Grund: Unter Phenprocoumon fallen meine Haare aus und die Fingernägel werden spröde. Aus dem Bekanntenkreis erfuhr ich, dass die Einnahme von Phenprocoumon Gehörstürze begünstigen kann oder sogar hervorrufen soll. B.A.

Unser Antwort:
Hörstürze werden sicher nicht durch Phenprocoumon begünstigt. Im Gegenteil. Bei Nebenwirkungen durch Phenprocoumon kann alternativ versuchsweise für etwa drei Monate auf Warfarin umgestellt werden und dies bei Besserung auch beibehalten werden. Die INR-Werte werden wie gehabt bestimmt. Wegen des Haarausfalls sollte auf jeden Fall auch der Ferritin-Wert bestimmt werden. Viele Patienten, die Phenprocoumon einnehmen, entwickeln einen Eisenmangel, der den Haarausfall begünstigt. Gegebenenfalls müsste dann zusätzlich Eisen verabreicht werden. Alle Medikamente können die Dosis des Gerinnungshemmers beeinflussen; solange aber der INR-Wert im angestrebten Bereich ist, ist alles in Ordnung.

(Letzte Überarbeitung: 29. November 2008)